Der Fall Brittney Griner

Wenn der Kreml Gefangene braucht

EIN KOMMENTAR Von Berthold Kohler
05.08.2022
, 17:04
Verurteilt, um gegen wirkliche Verbrecher ausgetauscht zu werden: die Basketballspielerin Brittney Griner.
Auch der Fall Brittney Griner zeigt: Die Justiz ist Putin bedingungslos zu Diensten. Reisen nach Russland sind riskant.
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Verglichen mit den Verbrechen, die Russland Tag für Tag in der Ukraine begeht, erscheint das Urteil gegen die amerikanische Basketballspielerin Griner wie Kleinkriminalität. Doch auch in diesem Fall offenbart Putins Diktatur ihr wahres Gesicht. Von einer unabhängigen Justiz kann in Russland schon lange nicht mehr gesprochen werden. Sie hat sich freiwillig in Putins Dienste gestellt oder ist dazu gezwungen worden. In einem solchen System brauchen die Staatsanwälte und Richter keine expliziten Befehle mehr; sie üben sich in vorauseilendem Gehorsam.

Weswegen Griner wirklich verurteilt wurde

Griner wurde nicht zu neun Jahren Lagerhaft verurteilt, weil sie bei der Einreise ein paar Patronen mit Haschischöl für E-Zigaretten im Gepäck hatte, die ihr als Schmerzmittel verordnet worden waren. Sondern weil sie eine bekannte Amerikanerin ist und der Kreml Gefangene mit einem hohen Strafmaß braucht, um sie gegen wirkliche Verbrecher in westlichen Gefängnissen auszutauschen.

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In Amerika wartet ein großes Kaliber auf die Rückkehr nach Russland, der Waffenhändler Bout. Angeblich verlangt Moskau als Dreingabe auch noch den Tiergartenmörder Krasikow, der nach Überzeugung des Gerichts im Auftrag des russischen Staates handelte. Der aber sitzt nicht in Amerika, sondern in Deutschland. Auch Deutsche sollten es sich daher gut überlegen, im Zweiten Kalten Krieg nach Russland zu reisen. Bei der Gepäckkontrolle und dann vor Gericht könnte es böse Überraschungen geben.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Kohler, Berthold
Berthold Kohler
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