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FAZ plus ArtikelEntführter Vietnamese

Eine fröhliche Delegation

Von Justus Bender und Morten Freidel
 - 08:48
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Auf einem Hügel über dem Donautal, am Ende der Straße Borik in Pressburg (Bratislava), ist eine Videokamera starr auf den Asphalt gerichtet. Ein kleines Schirmchen schützt ihre Linse vor Regen, und der Verschmutzung ihres Gehäuses nach zu urteilen, tut sie schon seit Jahrzehnten ihren Dienst, dort gleich hinter dem kleinen Pförtnerhäuschen des slowakischen Hotels Borik. Etliche Berühmtheiten von ganz unterschiedlichem Kaliber fuhren schon an ihr vorbei: Königin Elisabeth II., Michail Gorbatschow, Giulio Andreotti, Baschar al Assad – und vielleicht auch Xuan Thanh Trinh, ein politisch verfolgter Geschäftsmann aus Vietnam. Trinh wurde am 23. Juli 2017 in Berlin vom Geheimdienst seines Landes entführt und in Hanoi in zwei Schauprozessen wegen angeblicher Wirtschaftsverbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt. Ermittlungen der Bundesanwaltschaft und Recherchen dieser Zeitung belegen, dass die slowakische Regierung in seine Entführung verstrickt war, bewusst oder unbewusst. Ort des Geschehens: das Hotel Borik am 26. Juli 2017.

An diesem Tag öffnete sich die Schranke für Trinhs mutmaßliche Entführer. Der wegen seiner Beteiligung mittlerweile in Berlin angeklagte Long N. H. parkte seinen in Prag gemieteten Mercedes Vito, Kennzeichen 4SF5888, um 12.35 Uhr auf dem Hotelparkplatz. Das zeigen die von der Bundesanwaltschaft ermittelten GPS-Daten des Mietwagens. Die mutmaßlichen Entführer Quoc O. D. und Anh T. L. waren auch da, in einem Range Rover, der laut Daten von Autobahn-Mautstellen in der Tschechischen Republik in Kolonne mit dem Mercedes Vito fuhr. Die Runde wurde noch illustrer, als rund eine Stunde später auch der vietnamesische Minister für öffentliche Sicherheit, General To Lam, auf den Parkplatz fuhr, in Begleitung von General Duong Minh Hung, der die Entführung laut Bundesanwaltschaft von einem Berliner Hotel aus koordiniert hatte. Die Generäle kamen vom Flughafen Pressburg. Und dafür, dass einer von ihnen laut Bundesanwaltschaft wenige Tage zuvor in Berlin ein Verbrechen begangen hat, war die Anreise mondän.

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Quelle: F.A.Z.
Justus Bender
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