FAZ plus ArtikelEnthüllung über Putin

Nawalnyjs nächster Paukenschlag

Von Friedrich Schmidt, Moskau
19.01.2021
, 18:15
Kaum hat der Kreml Alexej Nawalnyj nach dessen Rückkehr weggesperrt, kommt von den Mitstreitern des Oppositionspolitikers eine neue Korruptionsenthüllung. Erstmals geht es um Präsident Wladimir Putin persönlich.

Vom Dach mit Stacheldraht hängen Eiszapfen. Der beige-blassgelbe Putz der Fassade bröckelt an manchen Stellen. Unterhalb der Gitterfenster liegt ein neuer, bunter Spielplatz. Zwischen Schaukeln und Mauern kann man noch wild parken, eine Seltenheit im modernisierten Moskau. Vor den Eingängen warten Polizisten in Streifen- und Mannschaftswagen, womöglich als Reserve, falls Unterstützer Alexej Nawalnyjs auftauchen. Denn hier, im „Untersuchungsgefängnis Nummer 1“ im Nordosten von Moskau, ist seit Montagabend Russlands prominentester Gefangener inhaftiert, für dessen Freilassung sich der Westen in seltener Einmütigkeit einsetzt. „Wir haben nicht vor, auf solche Erklärungen zu hören“, sagt Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow am Dienstag. Der Fall Nawalnyj sei Russlands „absolut innere Angelegenheit“.

Das Gefängnis liegt in der Matrosenruhe-Straße und wird allgemein so genannt: „Matrosenruhe“. Die Strafvollzugsbehörde, der das Gefängnis untersteht und die Nawalnyj am Montag für zunächst 30 Tage in Haft nehmen ließ, referiert auf ihrer Website im stolzen Ton der Kontinuität die Geschichte der „Matrosenruhe“, begonnen 1771 unter Zarin Katharina der Großen als Zwangseinrichtung für „allzu freche“ Untertanen.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt/ Schmidt, Friedrich
Friedrich Schmidt
Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.
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