Erdbeben in Haiti

Dauerkatastrophe

EIN KOMMENTAR Von Alfons Kaiser
17.08.2021
, 08:01
Menschen fahren am 15. August an einer zerstörten Kirche in Les Cayes vorbei.
Auch nach der jüngsten Katastrophe in Haiti werden Amerikaner und Europäer weiterhin keine Idee haben, wie es in dem Inselstaat weitergehen könnte. Viel wichtiger ist aber etwas anderes.

Wieder hat es das ärmste Land der westlichen Hemisphäre getroffen. Und wieder muss nach dem Erdbeben in Haiti schnell etwas passieren. Dieses Mal spielt sich das Drama mit mehr als 1300 Todesopfern und zahlreichen Verletzten in einer abgelegenen Region ab, sodass es die Hilfstransporte noch schwerer haben werden als nach dem verheerenden Beben im Jahr 2010.

Man kann nur hoffen, dass Organisationen wie Adveniat, Caritas, Diakonie, Care oder World Vision nicht von den grundsätzlichen Problemen des Landes aufgehalten werden. Denn wegen des „Braindrains“ in den vergangenen Jahrzehnten, der wirtschaftlichen Misere, der grassierenden Korruption und der hohen Kriminalitätsbelastung mit vielen Entführungen steht sich das Land selbst – und anderen – im Weg.

Die politische Krise hatte sich erst vor fünf Wochen wieder einmal zugespitzt, als ein Mordkommando Präsident Jovenel Moïse tötete. Amerikaner und Europäer, die noch unter dem Eindruck des gescheiterten Afghanistan-Einsatzes stehen, werden auch weiterhin keine Idee haben und erst recht keinen konkreten Plan, wie es in dem Inselstaat in der Karibik weitergehen könnte.

Das ist jetzt auch nicht vorrangig. Wichtig ist es zunächst nur, die Opfer schnell und sicher mit Nahrung, Trinkwasser, Zelten und medizinischer Unterstützung zu versorgen. Denn während die Hilfe anläuft, droht die nächste Katastrophe. Ein Tropensturm dürfte Starkregen mit sich bringen, der Schlammlawinen nach sich zieht.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Kaiser, Alfons
Alfons Kaiser
Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.
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