Vorschlag aus Amerika

Trump will Farage in Washington

Von Jochen Buchsteiner
22.11.2016
, 14:11
Nigel Farage, der Gründer der britischen rechtspopulistischen Partei Ukip, hat Donald Trump im Wahlkampf zur Seite gestanden. Nun will der ihn auf einem Botschafterposten sehen, allerdings auf dem einer fremden Nation.

Seit Donald Trumps Wahlsieg versucht Downing Street, über diplomatische Kanäle Kontakt zum nächsten amerikanischen Präsidenten aufzubauen. Nun setzte sich dieser über Twitter mit der britischen Regierung in Verbindung – und machte einen Vorschlag, der Irritation hervorrief: „Viele Leute würden Nigel Farage gerne als britischen Botschafter in den Vereinigten Staaten sehen. Er würde einen tollen Job machen.“ Die Empfehlung, den Chef der Britischen Unabhängigkeitspartei Ukip zu einem Botschafter zu machen, sei ein „Bruch mit allen diplomatischen Gepflogenheiten“, kommentierte die BBC am Dienstag.

Am Amtssitz von Premierministerin Theresa May kleidete man den Ärger in eine kühle Absage. In der Botschaft gebe es „keine Vakanz“, hieß es. „Wir haben bereits einen erstklassigen Botschafter in Washington.“ Zeitungen berichteten, dass Londons Botschafter in Washington, Kim Darroch, erst unlängst seinem Haus versichert habe, dass die Vertretung „gut aufgestellt“ sei für den anstehenden Regierungswechsel in Washington. Zuvor war Kritik lautgeworden, Darroch habe in den Wahlkampfmonaten zu wenig Verbindungen in Trumps Umfeld aufgebaut.

Farage, der sich bisher über Staatsbeamte eher abfällig geäußert hatte, bekundete sogleich Bereitschaft, das Amt zu übernehmen. Die Intervention Trumps sei „eine Art Schock“ für ihn gewesen, sagte er am Dienstag und zeigte sich zugleich „geschmeichelt“. „Niemand hat die Idee mit mir erörtert, aber ich habe gute Beziehungen mit seinem Team, und wenn ich dem Vereinigten Königreich in irgendeiner Form helfen kann, würde ich das tun.“

Farage hatte Trump im Wahlkampf unterstützt und war kurz nach dessen Wahlsieg für mehr als eine Stunde im New Yorker Trump Tower empfangen worden. Nach seinem Gespräch mit dem „President Elect“ hatte er gesagt, es gelte „Gräben zuzuschütten“ zwischen Trump und der Regierung in London. Downing Street hatte daraufhin ausgeschlossen, Farage als Vermittler in den „special relations“ zu nutzen. Allerdings kursieren Gerüchte, Farage könne demnächst als Lord ins britische Oberhaus berufen werden. May dementierte sie nicht.

Britische Zeitungen berichteten, dass sich May in den vergangenen Tagen um ein Gespräch mit Trump noch vor dessen Amtseinführung im Januar bemüht habe. Auch soll die Regierung mit dem Buckingham Palace sondiert haben, ob Queen Elisabeth II. den neuen amerikanischen Präsidenten empfangen würde. Trump hatte May in einem kurzen Telefongespräch seine Wertschätzung für die britische Königin mitgeteilt und darum gebeten, sie bei Gelegenheit von ihm zu grüßen. Nach unbestätigten Informationen war London der neunte oder zehnte Regierungsitz, zu dem Trump nach seinem Wahlsieg Kontakt aufgenommen hatte.

Trumps Kabinett
Der neue Präsident in Klausur
© AFP, reuters
Quelle: F.A.Z.
Jochen Buchsteiner - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Jochen Buchsteiner
Politischer Korrespondent in London.
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