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Konflikt um Skripal-Anschlag

OPCW weist Lawrows Kritik zurück

Von Reinhard Veser
 - 12:34

Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) hat die Behauptung des russischen Außenministers Sergej Lawrow zurückgewiesen, in den Proben zum Giftanschlag von Salisbury sei ein in den Vereinigten Staaten entwickeltes Gift gefunden worden. Zu Beginn einer Sitzung des OPCW-Rates am Mittwoch bekräftigte der Generalsekretär der Organisation, Ahmet Üzümcü, in den von den OPCW-Fachleuten in Salisbury entnommenen Proben sei keine andere Chemikalie entdeckt worden als jene, die auch von den Briten identifiziert worden war.

Lawrow hatte am Samstag in Moskau gesagt, aus vertraulicher Quelle habe Russland erfahren, dass ein Labor in Spiez in der Schweiz den in den Vereinigten Staaten entwickelten Kampfstoff BZ in einer Probe gefunden habe. Er forderte von der OPCW eine Erklärung, warum das nicht in dem vorigen Donnerstag vorgestellten Bericht der Organisation erwähnt werde.

Üzümcüs Richtigstellung ist ein außergewöhnlicher Schritt. Er beharrte in seiner Erklärung auf dem Grundsatz, dass die OPCW Äußerungen aus Mitgliedstaaten nicht öffentlich kommentiere, auch wenn darin ihre Arbeit kritisiert werde. Es sei nicht im Interesse der Organisation, öffentliche Diskussionen mit den Mitgliedstaaten auszutragen. In seiner Stellungnahme erwähnte Üzümcü daher weder Lawrow noch Russland, noch das Labor in der Schweiz namentlich.

Eine neue russische Verschwörungstheorie

BZ sei in einer Kontrollprobe festgestellt worden, die „vom OPCW-Labor in Übereinstimmung mit den bestehenden Prozeduren zur Qualitätskontrolle zusammengestellt wurde“, sagte Üzümcü. Wenn die OPCW eines ihrer Referenzlabore mit Untersuchungen beauftragt, erhält dieses zwei anonymisierte Sets von Proben – das tatsächliche und ein anderes, dessen Zusammensetzung der OPCW bekannt ist.

Üzümcü schlug vor, das in den Proben aus Salisbury festgestellte Nervengift in die Liste der nach dem Chemiewaffenabkommen verbotenen Stoffe aufzunehmen. Darin ist das in den vergangenen Wochen als „Nowitschok“ bekannt gewordene Gift bisher nicht enthalten, da Russland seine Entwicklung nie offiziell zugegeben hat. In einer Erklärung der EU wurden die „andauernden und bösartigen Versuche Russlands“ beklagt, die Glaubwürdigkeit der OPCW zu unterminieren.

Ähnlich äußerte sich auch die Schweiz. Lawrows Aussagen schadeten der Glaubwürdigkeit und der Integrität der OPCW, sagte Nadine Olivieri Lozano, die stellvertretende Schweizer Vertreterin bei der Organisation. Ein Analysebericht, wie er vom russischen Außenminister zitiert worden sei, würde vom entsprechenden Schweizer Labor in Spiez nie in der zitierten Form und Sprache abgefasst.

Die russische Vertretung bei der Organisation in Den Haag verbreitete unterdessen eine neue Verschwörungstheorie: Der ehemalige russische Agent Sergej Skripal und seine Tochter Julija seien von den britischen Ärzten nicht aus medizinischen Gründen ins künstliche Koma versetzt worden, sondern, um ihren Gesundheitszustand zu manipulieren und die Kontaktaufnahme mit russischen Diplomaten zu verhindern.

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Giftangriff auf Skripal
Stationen eines russischen Agenten

Quelle: F.A.Z.
Reinhard Veser
Redakteur in der Politik.
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