FAZ plus ArtikelFestnahmen in Frankreich

Kein Exilland mehr für italienische Terroristen

Von Matthias Rüb, Rom
28.04.2021
, 17:38
Protest gegen die Auslieferung von Linksextremisten und Mitgliedern der Roten Brigaden 2008 in Paris.
Nach Jahrzehnten nimmt Frankreichs Justiz jetzt mehrere wegen Mordes gesuchte italienische Linksextremisten fest. Präsident Macron soll eine Schlüsselrolle spielen.

Für Rom ist und bleibt es ein Wettlauf gegen die Zeit, konkret gegen die Verjährungsfrist: Es geht um die seit Jahr und Tag geforderte Auslieferung von 14 italienischen Terroristen aus Frankreich, die wegen Anschlägen in den siebziger und achtziger Jahren von italienischen Gerichten zu langen Haftstrafen verurteilt wurden, aber in dem Nachbarland Zuflucht fanden. Diesen Wettlauf hatte jüngst Luigi Bergamin, einst Mitglied der linksanarchistischen Terrorgruppe „Bewaffnete Proletarier für den Kommunismus“ (PAC), gewonnen: Am 8. April verjährte die von ihm 1979 als Mittäter begangene Straftat, der Mord an einem neofaschistischen Aktivisten. Dafür war Bergamin, der bis heute unbehelligt in Frankreich lebt, in Abwesenheit zu knapp 18 Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Am Mittwoch kam es in dem jahrzehntelangen Streit zwischen Rom und Paris zu einer überraschenden Wende. Offenbar nach einer persönlichen Intervention von Präsident Emmanuel Macron wurden sieben ehemalige Mitglieder der Roten Brigaden in verschiedenen Städten Frankreichs festgenommen, drei weitere konnten sich der Verhaftung entziehen. Auf das Konto der größten linksterroristischen Gruppe, die von 1970 bis 1988 aktiv war, gehen fast 90 Morde während der „Anni di piombo“, der „bleiernen Jahre“ des links- und rechtsextremistischen Terrorismus in Italien. Das prominenteste Opfer der Roten Brigaden war Ministerpräsident Aldo Moro, der 1978 entführt und ermordet wurde.

Testen Sie unser Angebot.
Jetzt weiterlesen.
Testen Sie unsere Angebote.
F.A.Z. PLUS:

  FAZ.NET komplett

Diese und viele weitere Artikel lesen Sie exklusiv mit F+
Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Rüb, Matthias (rüb)
Matthias Rüb
Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot