Kanarische Inseln

Ein neues Moria?

EIN KOMMENTAR Von Peter Sturm
Aktualisiert am 23.11.2020
 - 06:44
Notunterkunft: Zeltlager für Flüchtlinge auf den Kanaren
Die Zahl afrikanischer Flüchtlinge auf den Kanarischen Inseln steigt und steigt. Die Regierung in Madrid reagiert hektisch, die Kanaren fühlen sich allein gelassen. Wie lange kann das gutgehen?

Die spanische Regierung hat es ohnehin schwer. Die Corona-Pandemie hat das Land fest im Griff. Hinzu kommen die anhaltenden Konflikte mit Regionalregierungen, vor allem mit der in Katalonien, die nach wie vor die Unabhängigkeit anstrebt. Die Bereitschaft zu politischer Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg, die schon in normalen Zeiten wenig ausgeprägt war, ist in der Gesundheitskrise weiter gesunken.

Und nun kommt noch eine Herausforderung hinzu, die zwar leider nicht neu ist, die aber gerade jetzt eine ohnehin schwache Regierung vor zusätzliche Herausforderungen stellt.

Da in den Wintermonaten der Weg über das Mittelmeer sogar für diejenigen zu gefährlich ist, die vieles aufs Spiel setzen, um aus afrikanischer Perspektivlosigkeit und Unterdrückung nach Europa zu fliehen, sehen sich die Kanarischen Inseln einem anscheinend durch nichts zu stoppenden Zustrom von Migranten ausgesetzt.

Die Behörden auf den unter dem schleppenden Tourismusgeschäft leidenden Inseln fühlen sich von der Zentralregierung im Stich gelassen, was zusätzlichen politischen Sprengstoff für den spanischen Staat bedeutet. Madrid versucht jetzt in größter Hektik, mit Senegal und Marokko Rückführungsabkommen zu schließen, um Migranten von vornherein von der Überfahrt abzuschrecken. Auf den Inseln entstehen Notquartiere, die an das Elend im griechischen Lager Moria erinnern. Wie lange kann das gutgehen?

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Sturm, Peter
Peter Sturm
Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.
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