Mit Flug aus Frankfurt

Wasser für Venezuela

Von Tjerk Brühwiller, Sao Paulo
30.05.2020
, 09:48
Vor einer Suppenküche in einem Slum von Caracas
Ein vom Auswärtigen Amt gecharterter Flug mit humanitären Hilfsgütern ist in Venezuela eingetroffen. Die Maschine wird auf ihrem Rückflug 190 Europäer aus dem krisengeschüttelten Land ausfliegen.
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Eine Chartermaschine aus Frankfurt mit 16 Tonnen humanitären Hilfsgütern der Vereinten Nationen ist am Freitagnachmittag (Ortszeit) in Venezuela gelandet. Die Lieferung umfasst Ernährungsunterstützung, Trinkwasser sowie Substanzen zur Aufbereitung von Trinkwasser. Bereits in den vergangenen Wochen sind rund 90 Tonnen Hilfsgüter mit Medikamenten und medizinischer Ausrüstung in Venezuela eingetroffen, um Tausende von Familien im von Versorgungsknappheit und einem prekären Gesundheitswesen gezeichneten Land zu unterstützen.

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Die Hilfsgüter dienten der Reaktion auf die Corona-Epidemie im Land und würden in den Gesundheitszentren und den am stärksten betroffenen Gemeinden verteilt, wo sie Leben retteten, sagte Peter Grohmann, der Koordinator der humanitären Hilfe der Vereinten Nationen in Venezuela. Venezuela hat laut offiziellen Zahlen immer noch vergleichsweise wenige Corona-Fälle zu verzeichnen. Allerdings haben sich die Lebensumstände der Bevölkerung durch die Quarantäne-Maßnahmen weiter zugespitzt. Unzählige Familien haben ernsthafte Probleme, sich ausreichend zu ernähren, und sind von der Trinkwasserversorgung abgeschnitten.

Deutschlands Botschafter in Venezuela, Daniel Kriener, der zusammen Grohmann, dem venezolanischen Gesundheitsminister und dem Vize-Außenminister am Flughafen die Hilfslieferung symbolisch in Empfang nahm, drückte in einer Ansprache sein Bedauern über den Umstand aus, dass es Deutschland und den Vereinten Nationen nicht gelungen sei, mit derselben Maschine medizinisches Fachpersonal und Vertreter der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ nach Venezuela zu fliegen. Zudem wies er auf den „schwierigen Moment“ hin, in dem sich die deutsch-venezolanischen Beziehungen befänden. Deutschland halte jedoch an den Prinzipien der humanitären Hilfe fest, sagte Kriener und betonte, dass die Hilfslieferung allen Venezolanern, unabhängig von ihren politischen Überzeugungen, zugutekommen solle. Auch Grohmann rief alle Akteure dazu auf, die humanitäre Hilfsaktion nicht zu politisieren.

Der Charterflug aus Frankfurt dient gleichzeitig der Rotation von diplomatischem Personal der deutschen, der portugiesischen, der französischen und der Schweizer Botschaft, Vertretern der Vereinten Nationen sowie Mitarbeitern des Goethe-Instituts in Caracas. Auf seinem Rückflug am heutigen Samstag werden zudem zahlreiche deutsche und europäische Bürger Venezuela verlassen, denen eine Ausreise wegen des unterbrochenen Flugverkehrs nach Venezuela in den vergangenen Wochen nicht möglich war. Insgesamt werden rund 190 Personen an Bord des Charterflugs des Auswärtigen Amtes sein.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Brühwiller, Tjerk
Tjerk Brühwiller
Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.
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