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Das Bewusstsein wächst langsam

03.12.2019 · Auf allen Kontinenten ist der Klimawandel spürbar. Was unternehmen Länder wie Russland, China oder Indien? Unsere Korrespondenten berichten in der Serie Heißzeit, hier Teil II.

Der Liberianer Hayes Lewis mit einem batteriebetriebenen Campinglicht bei sich zu Hause in Sayon Town. Die Liberianer brauchen die "Chinesischen Laternen", wenn wieder einmal der Strom ausfällt. Lewis belegt damit eindrucksvoll, warum Afrika auf den Abbau fossiler Energieträger setzt. Foto: Jim Tuttle

Keine Umkehr in Afrika

A ls kürzlich in Südafrika die Rohstoffmesse „Africa Oil Week“ stattfand, demonstrierten vor den Toren des Messezentrums auch Gegner fossiler Rohstoffe. Es waren nur wenige, fast alle waren Weiße. Sie versuchten, den Eingang zu blockieren, und hielten ein Transparent hoch, auf dem stand: „Africa Oil Week – Konferenz von Klimakriminellen – Sie stehlen unsere Zukunft.“ Viel Aufsehen erregte der von Extinction Rebellion organisierte Aufmarsch nicht. Die einheimischen Medien erwähnten die Veranstaltung nur am Rande. Immerhin zitierten sie einen Demonstranten, Andrew Park, mit dem Satz: „Die Teilnehmer hier denken, dass sie Gutes tun und die Verträge, die sie abschließen, der Wirtschaft nutzen, aber sie schädigen langfristig den am gefährdetsten Menschen.“

Den meisten Afrikanern dürfte es aber so gehen wie den Teilnehmern der Veranstaltung, zu der 25 Minister aus diversen afrikanischen Staaten angereist und Vertreter von Ölfirmen aus aller Welt gekommen waren: Sie sehen für den Kontinent die Chancen durch die Ausbeutung der Rohstoffe, und sie sehen die Möglichkeit, die ihre Nutzung bietet. „Unter keinen Umständen werden wir uns für das, was wir tun, entschuldigen“, erklärte mit Blick auf das Häuflein Demonstranten Energieminister Gabriel Obiang Lima aus Äquatorialguinea. Er verwies auf die Arbeitsplätze und den möglichen ökonomischen Fortschritt: „Wenn Menschen von außerhalb Afrikas meinen, wir sollten darauf verzichten, unsere Bodenschätze auszubeuten, ist das unfair und kriminell.“ Südafrikas Energieminister Gwede Mantashe von Mandelas Afrikanischem Nationalkongress ANC sieht die Dinge ähnlich: „Energie ist der Katalysator für Wachstum.“ Schalte man die Kohlekraftwerke ab, „würden wir vielleicht frische Luft atmen, aber wieder im Dunkeln sitzen“.

Verwunderlich ist diese Einstellung nicht: Rund 600 Millionen Menschen in Afrika haben keinen Zugang zu Elektrizität, das ist fast die Hälfte der Gesamtbevölkerung des Kontinents. Rund 80 Prozent aller Unternehmen südlich der Sahara leiden unter regelmäßigen Stromausfällen. Im Gegensatz zu vielen Europäern setzen die bitterarmen Afrikaner ihre Hoffnung auf wirtschaftliches Wachstum, auf die Verbesserung der Energieversorgung, auf Mobilität. Noch immer leiden viele Afrikaner Hunger, toben Bürgerkriege, kämpft ein Großteil der rasant wachsenden Bevölkerung ums nackte Überleben.


„In der Sahara könnten sich bei einer mäßigen Erderwärmung Pflanzen ausbreiten – so wie es auch in der Vergangenheit ab und an geschah.“
Forscher des Max-Planck-Instituts

Ein anderer Grund für die Skepsis gegenüber der Klimabewegung mag sein, dass Forscher des Max-Planck-Instituts zu der Einschätzung gekommen sind, die Erderwärmung könne positive Auswirkungen auf Afrika haben. Unter der Überschrift „Die Wüste grünt“ schreiben die Wissenschaftler: „In der Sahara könnten sich bei einer mäßigen Erderwärmung Pflanzen ausbreiten – so wie es auch in der Vergangenheit ab und an geschah.“ Durch die Erderwärmung werde „die Verdunstung wie unter einem Kochtopfdeckel zunehmen“, was wiederum zu höheren Niederschlägen führe. Untersuchungen der Wüste haben ergeben, dass es dort immer wieder feuchtere Perioden gegeben hat. Die letzte hatte etwa in Westafrika vor rund 16.000 Jahren begonnen, in Ostafrika vor rund 10.000. Erst vor rund 5.500 Jahren wurde es dann wieder trockener. Nun könne die fruchtbare Zeit zurückkehren. In den letzten Jahren ist eine Zunahme der Vegetation im Süden erkennbar. Der Feind dieser Entwicklung sei gerade nicht der Klimawandel, sondern die Überbevölkerung. „Überweidung und falsches Landmanagement könnten die Vegetation schnell wieder vernichten“, warnt Martin Claußen, Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie.

Thilo Thielke, Kapstadt


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Quelle: Frankfurter Allgemeine Woche

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