Präsident Macron

„Schlimmste Gesundheitskrise seit einem Jahrhundert“

Von Michaela Wiegel, Paris
12.03.2020
, 21:44
Präsident Emmanuel Macron fordert ein abgestimmtes Vorgehen der Europäer.
In Frankreich bleiben ab Montag alle Schulen, Universitäten und Kindergärten geschlossen. Präsident Macron sagt, das Land stehe erst am Anfang einer Pandemie.
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Frankreich folgt im Kampf gegen die Pandemie dem Beispiel der meisten Nachbarländer Deutschlands und schließt von Montag an alle Schulen, Kindertagesstätten, und -krippen sowie Universitäten. Das kündigte Präsident Emmanuel Macron am Donnerstagabend in einer Fernsehansprache vom Elysée-Palast aus an. Die Schließung gelte „bis auf Weiteres“. Macron mahnte, das Land stehe erst am Anfang der Pandemie. „Es ist die schlimmste Gesundheitskrise, die Frankreich seit einem Jahrhundert erlebt“, sagte er. Er hole ständig wissenschaftlichen Rat ein. Trotz umfassender Vorsichtsmaßnahmen breite sich das Coronavirus schnell aus. „Wir müssen alles tun, um die Ausbreitung zu verlangsamen“, sagte er.

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Es gelte, die älteren und die verwundbarsten Franzosen zu schützen. Schon am Vortag wurden Besuche in Seniorenheimen untersagt. Macron appellierte an alle Bürger, die Regierung in ihren Bemühungen zu unterstützen. Alle Bürger über 70 Jahren sowie alle unter chronischen Krankheiten leidenden Menschen sollten so wenig wie möglich das Haus verlassen und soziale Kontakte meiden. Alle Franzosen sollten so wenig wie möglich öffentliche Verkehrsmittel nutzen und nach Möglichkeit von zu Hause arbeiten. Die Kommunalwahlen an diesem und am nächsten Sonntag würden stattfinden, kündigte Macron an. Er sei schwierig, einen wichtigen demokratischen Termin abzusagen. Die rechtsbürgerliche Opposition hatte gegen eine von Macron erwogene Verschiebung der Kommunalwahlen rebelliert. „Ich werde mich mit aller Kraft dagegen stemmen“, kündigte Senatspräsident Gérald Larcher von den Republikanern kurz vor der Ansprache an. Macron sagte, es müssten strikte Hygieneregeln eingehalten werden. So soll die Zahl der in die Wahllokale eingelassenen Wähler begrenzt werden, im Inneren müssen die Bürger Abstand zueinander halten.

Hilfen für Unternehmen

Der Präsident kündigte Hilfen für die Unternehmen an, die durch die Pandemie getroffen würden. Vorgesehen sind nach seinen Worten eine Entlastung von Steuern und Abgaben sowie „massive Hilfen“ bei der Kurzarbeit. Macron nannte Deutschland als Vorbild, während der Finanzkrise 2009 habe das Nachbarland über Kurzarbeit eine Entlassungswelle vermieden.

Macron verband die Ansprache mit einem Appell an die Einheit der Europäer. Das Virus habe keinen Pass und kenne keine Grenzen. Mögliche Grenzschließungen müssten auf europäischer Ebene entschieden werden, sagte er. Die EU müsse „stark und schnell“ reagieren, darauf versuche er hinzuwirken. Die von deutschen Polizisten zwischen dem Saarland und der französischen Grenze wieder eingeführten Grenzkontrollen sprach er nicht an. Nationale Abschirmung könne nicht die Antwort sein, sagte Macron. Die Krise habe bereits gezeigt, dass das Gesundheitssystem ein kostbares Allgemeingut sei und nicht den Regeln des Marktes unterworfen werden dürfe.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Wiegel, Michaela
Michaela Wiegel
Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.
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