Früherer Präsident Südafrikas

Jacob Zuma tritt Haftstrafe an

Von Claudia Bröll
08.07.2021
, 17:48
Ein Konvoi am 7. Juli auf dem Anwesen des ehemaligen südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma in Nkandla
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Kurz vor dem Ablauf der Frist hat sich Jacob Zuma den Behörden gestellt. In Südafrika wurde seine Verhaftung weithin mit Begeisterung kommentiert. Seine Anhänger hingegen wollen weiterkämpfen.
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Am Ende konnte auch Edward Zuma den Gang seines Vaters ins Gefängnis nicht mehr verhindern. Mit einem Holzstock und traditionellem Zulu-Kopfschmuck war der Sohn des früheren Staatspräsidenten Jacob Zuma am Mittwoch vor die Reporter vor den Toren von dessen Privatresidenz tief in der südafrikanischen Provinz Kwa-Zulu-Natal getreten. Wer seinen Vater festnehmen wolle, müsse erst ihn töten, sagte der Vierundvierzigjährige und fuchtelte mit dem Stock in der Luft herum. Kein Polizist dürfe das Grundstück betreten.

Die erwartete Verhaftung des wegen Korruptionsvorwürfen 2018 zurückgetretenen Präsidenten hatte in Südafrika große Sorgen vor Unruhen ausgelöst. Noch am vergangenen Wochenende hatten Hunderte Anhänger Zumas an der gleichen Stelle gegen eine Festnahme demonstriert und mit Gewalttaten gedroht. Am Mittwoch befand sich die Polizei in höchster Alarmbereitschaft. Einsatzkräfte mehrerer Spezialeinheiten und mehr als 100 Fahrzeuge waren in gebührender Entfernung von Nkandla stationiert, um sich auf die erste Inhaftierung eines Präsidenten in der Geschichte des Landes vorzubereiten.

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Doch am Ende gelangte Zuma nahezu geräuschlos kurz nach Mitternacht zum Estcourt-Gefängnis, nicht in einem Polizeiauto, sondern in einer privaten Limousine mit eigenem Wachpersonal. Keine Demonstranten waren mehr zugegen, keine kämpferischen Reden wurden gehalten.

Missachtung der Justiz

Während Zumas neun Jahre langer Amtszeit erlebte Südafrika zahlreiche Korruptionsaffären, die einen Schaden in Milliardenhöhe anrichteten. Mitglieder einer mit ihm befreundeten Unternehmerfamilie kontrollierten offenkundig fast den gesamten Staatsapparat. In der vergangenen Woche verurteilte das Verfassungsgericht den 79 Jahre alten früheren Staatschef zu einer 15 Monate langen Gefängnisstrafe, allerdings nicht wegen der Korruptionsexzesse, sondern wegen Missachtung der Justiz.

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Zuma hatte sich hartnäckig geweigert, vor einer Untersuchungskommission zur Korruption auszusagen, immer neue Ausflüchte und juristische Winkelzüge genutzt und Verschwörungstheorien gesponnen. Er gehe lieber ins Gefängnis als auszusagen, sagte er. Zuletzt hatte er auch die Aufforderung des Verfassungsgerichts ignoriert und das oberste Gericht mit der Justiz während der Zeit der Apartheid verglichen. In ihrem Urteil hatten die Verfassungsrichter Zuma eine Frist bis zum vergangenen Sonntag gesetzt, um bei einer Polizeiwache vorstellig zu werden. Als dies nicht erfolgte, folgte für die Polizei eine Frist von drei Tagen bis Mitternacht am Mittwoch, um den prominentesten Verurteilten des Landes in Gewahrsam zu nehmen.

Bis zuletzt war ungewiss, ob es wirklich dazu kommen würde. Presseberichten zufolge verhandelte Zuma bis zum Schluss mit der Justiz und staatlichen Institutionen. Seine Anwälte schickten am Nachmittag einen weiteren Brief an das Verfassungsgericht, um einen Aufschub der Verhaftung zu erreichen. Nach der großen Aufregung in den Tagen zuvor versammelte sich vor Nkandla allerdings nur noch ein kleines Grüppchen leidenschaftlicher Zuma-Anhänger. Sie blockierten die Einfahrt zu dem Anwesen, tanzten, ließen sich von Präsidentensohn Edward anstacheln.

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Vierzig Minuten vor Mitternacht ging dann plötzlich alles sehr schnell. Ein langer Konvoi von Geländewagen verließ in schnellem Tempo Nkandla. In einem der Fahrzeuge saß Zuma hinter dunklen Fensterscheiben. Eine Stunde später traf er im Estcourt-Gefängnis ein, einer modernen, erst 2019 eröffneten neuen Haftanstalt für mehr als 500 Gefangene. „Mister Zuma wird durch alle Prozesse der Aufnahme geführt. Andere relevante Vorschriften für die Aufnahme und Orientierung neu inhaftierter Personen werden ebenfalls befolgt und ausgeführt“, teilte die Gefängnisleitung mit. Die eigentliche Botschaft war klar: der frühere Präsident stehe nicht über dem Gesetz. Er sei ein Gefangener wie jeder andere auch.

„Sieg der konstitutionellen Demokratie“

In Südafrika wurden die nächtlichen Ereignisse weithin mit Begeisterung kommentiert. Nach dem langen juristischen Tauziehen hatten viele nicht mehr damit gerechnet, den im Widerstandskampf gestählten und eigensinnigen früheren Präsidenten je hinter Gittern zu sehen. Zivilorganisationen sprachen von einem Sieg der konstitutionellen Demokratie. Mitglieder der Regierungspartei Afrikanischer Nationalkongress (ANC) schrieben auf Twitter, sie seien froh, dass das „Drama um Zumas Verhaftung“ endlich vorbei sei. Die Partei selbst erklärte, wie nach dem Urteil, die „Vorherrschaft der Verfassung, die Rechtsstaatlichkeit und die Unabhängigkeit der Justiz“ zu unterstützen und rief zu Ruhe unter den Mitgliedern auf.

Von den Anhängern Zumas im ANC und aus der eigenen Familie freilich kamen andere Reaktionen. Die Jacob-Zuma-Stiftung schrieb an ihren Gründer gerichtet: „Sei stark, die Dinge werden besser. Es mag jetzt stürmisch sein, aber es kann nicht für immer regnen. Wir kämpfen weiter.“

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Die 37 Jahre alte Tochter Duduzile pries ihren Vater auf Twitter als „Freiheitskämpfer“ und „einzigen Mann, der loyal ist gegenüber dem ANC“. Sie habe mit ihm gesprochen, als er sich auf dem Weg in das Gefängnis befunden habe. Er sei immer noch guter Dinge gewesen und habe gescherzt, er hoffe, dass es noch die Gefängnisoveralls von Robben Island gebe. Auf der Gefängnisinsel, auf der auch Nelson Mandela inhaftiert gewesen war, hatte er als junger Widerstandskämpfer gegen die Apartheid einst zehn Jahre verbracht. „Wir lachten, denn diesmal wird er zumindest keine Schwierigkeiten mit der Sprache Afrikaans haben. Wir bejubeln Dich, Papa!“

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Quelle: F.A.Z.
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Claudia Bröll
Politische Korrespondentin für Afrika mit Sitz in Kapstadt.
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