Diplomatie in Kriegszeiten

Blinken will Lawrow nicht treffen

Von Till Fähnders, Singapur
06.07.2022
, 17:43
Unterwegs nach Bali: Der amerikanische Außenminister Antony Blinken vor seinem Abflug.
Das Treffen der G-20-Außenminister auf Bali wird zum Testlauf für den Gipfel im Herbst. Ministerin Baerbock wirbt vor der Abreise für eine gemeinsame Reaktion auf den russischen Angriffskrieg.
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Der amerikanische Au­ßenminister Antony Blinken wird bei einem G-20-Treffen diese Woche auf Bali mit dem chinesischen Außenminister Wang Yi über den Krieg in der Ukraine sprechen. Einen Termin mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow, der auch auf die indonesische Insel reist, schloss das Außenministerium in Wa­shington aber kategorisch aus. Für ein solches Gespräch sei dies nicht der rich­tige Zeitpunkt. Lawrow selbst teilte während eines Aufenthalts in Vietnam am Mittwoch mit, er werde mehrere Außenminister in Indonesien treffen. „Was die (bilateralen) Treffen angeht, so gab es bestimmte Anfragen. Es wird eine Reihe von Treffen geben“, sagte er der Nachrichtenagentur Tass zufolge.

Die USA warnten davor, dass nach dem russischen Angriff auf die Ukraine kein „Business as usual“ möglich sei. Sie ließen allerdings offen, was dies genau für das Treffen der Außenminister der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer und der EU bedeutet. Somit wird die Konferenz am Donnerstag und Freitag ein Testlauf für den G-20-Gipfel im No­vember. Russlands Präsident Wladimir Putin hat seine Absicht kundgetan, der Einladung des Gastgebers Indonesien zu folgen. Indonesien hat auch den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Herbst als Gast eingeladen. Die meisten Länder wollen trotz der russischen Zu­sagen teilnehmen, dabei aber auch ih­ren Protest gegen den russischen An­griffskrieg ausdrücken.

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Bei dem Treffen auf Bali wird auch die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock teilnehmen. Sie warb vor der Ab­reise für eine gemeinsame Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. „Wir alle haben ein Interesse daran, dass internationales Recht ge­achtet und respektiert wird. Das ist der gemeinsame Nenner“, sagte sie am Mittwoch in Berlin. „Und es ist auch der Grund, warum wir Russland nicht einfach die Bühne des Treffens überlassen werden.“ Die Ministerin ging auch auf die Nahrungs- und Energiekrise ein, die auf Bali im Fokus stehen wird. Russland nutze Abhängigkeiten aus und töte auch durch Hunger als Waffe. „Das spüren die Menschen in Mali und Niger ebenso wie in Libanon, Argentinien und Indien.“

Im Kreis der G-20-Länder sind trotz dieser Tatsache einige, die sich nicht deutlich von Russlands Aggression distanziert haben, darunter China. Im Vordergrund der Gespräche zwischen Blinken und Wang – den ersten seit Oktober – soll aber das schwierige Verhältnis der beiden Mächte stehen. Es gehe darum, die Kommunikation mit China weiterzuführen und den Wettbewerb zwischen den USA und der Volksrepublik China auf verantwortliche Weise zu gestalten, sagte der für Ostasien und Pazifik zuständige Diplomat Daniel Kritenbrink in Wa­shington.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Fähnders, Till (fäh.) (Bild)
Till Fähnders
Politischer Korrespondent für Südostasien.
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