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Nord-Stream-Lecks

Mehr tun für maritime Sicherheit

EIN KOMMENTAR Von Nikolas Busse
28.09.2022
, 20:45
Aufnahme der schwedischen Küstenwache von aufsteigendem Gas aus einer Nord-Stream-Leitung nahe der Insel Bornholm Bild: AFP
Schnelle Urteile über den Urheber der Gaslecks in der Ostsee sollte die Politik nicht fällen, auch wenn einiges für Russland spricht. Schon jetzt ist aber klar: Zur Zeitenwende gehört auch die maritime Sicherheit.

Dass die Lecks an den beiden Nord-Stream-Leitungen auf Sabotage zurückzuführen sind und dass dafür eigentlich nur ein staatlicher Akteur infrage kommen kann, ist so ziemlich alles, was zunächst über diesen schwerwiegenden Vorfall in der Ostsee klar erscheint. Das ist angesichts der geopolitischen Weiterungen unbefriedigend.

Aber letztlich sollten gerade westliche Politiker nur auf der Basis von verlässlichen Informationen urteilen und handeln. Bevor man die „schärfste mögliche Antwort“ ankündigt, wie das die Präsidentin der EU-Kommission sehr schnell getan hat, muss man erst mal wissen, wem man denn antworten will.

Das taktische Interesse Moskaus

In Polen und in der zweiten Reihe der deutschen Politik wird trotzdem schon Russland als Urheber genannt. Dass ein Land seine eigene Infrastruktur zerstört, kommt im Krieg durchaus vor. Es gibt einleuchtende Gründe, an diese Lesart zu glauben, denn Russland hätte ein taktisches Interesse an einer gewaltsamen Unterbrechung der Pipelines. Es wäre für Moskau ein Weg, die Gaskrise noch mal (psychologisch) zu verschärfen, jetzt wo der Gashahn schon weitgehend zu ist. Außerdem wäre es ein Warnschuss, mit dem Putin dem Westen seinen Willen und weitere Möglichkeiten zur Eskalation vorführen kann.

Ein Interesse an der Stilllegung der beiden Leitungen hätte auch die Ukraine, in dem Fall aber ein strategisches: Sie hat sie stets als Bedrohung ihrer nationalen Sicherheit gewertet. Aber es erscheint unwahrscheinlich, dass Kiew gerade in dieser Phase des Krieges etwas unternehmen würde, das von den europäischen Verbündeten als Angriff auf die Energieversorgung aufgenommen werden muss.

Womit die westliche Politik nicht warten muss, sind Schutzmaßnahmen für die kritische Infrastruktur unter Wasser. Die Gasblasen in der Ostsee liefern gerade der früher so traumtänzerischen deutschen Sicherheitspolitik weiteres Anschauungsmaterial für die Erfordernisse der Zeitenwende: Auch die maritime Sicherheit gehört dazu.

Quelle: F.A.Z.
Nikolas Busse
Verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.
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