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FAZ plus ArtikelProteste in Frankreich

Notre Dame und das schnelle Geld

Von Michaela Wiegel, Paris
Aktualisiert am 21.04.2019
 - 13:25
„Du hast keine 100 Steine?“, fragt ein Teilnehmer der Gelbwesten-Proteste vor einer Polizeisperre. Die Bewegung will die Regierung daran erinnern, dass das Geld an wichtigeren Stellen als dem Wiederaufbau von Notre Dame gebraucht werde.
Einige der reichsten Franzosen finanzieren quasi über Nacht den Wiederaufbau der Kathedrale. Das passt vielen Franzosen nicht, ein „Wir“-Gefühl bleibt aus. Stattdessen heizt die Frage nach dem Geld die Gelbwesten-Proteste an.

Pünktlich zu den Olympischen Sommerspielen in Paris soll die Kathedrale Notre-Dame de Paris in neuem Glanz erstrahlen. Also in fünf Jahren. Für sein ehrgeiziges Vorhaben hat Präsident Macron sofort finanzkräftige Unterstützer gefunden. Die Glut war noch nicht erloschen, da kündigte die Milliardärsfamilie Pinault an, hundert Millionen Euro beisteuern zu wollen. Das löste einen Bieterwettbewerb unter den reichsten Familien Frankreichs aus. Bernard Arnault, dessen Gesamtvermögen sich laut dem Magazin „Forbes“ auf 77 Milliarden Euro beläuft, sagte zweihundert Millionen zu. Die Familie Bettencourt-Meyers, die Hauptaktionäre des L’Oréal-Konzerns, zog gleich. Andere Namen von der Liste der reichsten Franzosen folgten. „Wir haben schon fast eine Milliarde Euro beisammen“, jubelte Macrons Sonderbeauftragter für Denkmalpflege. „An Finanzknappheit wird die Wiederherstellung nicht scheitern.“

Aber ein neues „Wir-Gefühl“ will sich nicht einstellen. Macron hatte darauf gehofft, dass aus dem Unglück ein sinnstiftendes Projekt entstehen könnte, das den gesellschaftlichen Zusammenhalt wieder stärkt. Er äußerte den Wunsch, „dass wir aus der Katastrophe eine Gelegenheit machen, besser zu werden als das, was wir sind“. Doch die Millionenspenden lassen fünf Monate nach Beginn der „Gelbwesten“-Proteste den Ruf nach mehr sozialer Gerechtigkeit neu erschallen. „Diese Milliardäre haben unendlich viel Geld. Mit einem Schlag können sie hundert, zweihundert Millionen Euro auf den Tisch legen“, kritisierte Gewerkschaftsführer Philippe Martinez. Das zeige die große Ungleichheit in Frankreich. „Wenn sie so viel Geld für den Wiederaufbau der Kathedrale haben, dann sollten sie nicht länger behaupten, dass kein Geld für die sozialen Notfälle da ist.“

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Wiegel, Michaela
Michaela Wiegel
Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.
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