Trotz Angriffs

Große Versammlung tritt in Kabul zusammen

Von Alexander Haneke, Kabul
30.06.2022
, 16:47
Taliban-Sprecher Zabihullah Mudschahid am Donnerstag in Kabul
Die Zusammenkunft soll über wichtige Fragen für die Zukunft des Landes diskutieren. Selbst Taliban-Emir Haibatullah Achundsada könnte teilnehmen. Das zeigt, welche Bedeutung die Islamisten der Konferenz beimessen.
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Die von den Taliban einberufene große Versammlung, in der rund 3000 Teilnehmer aus ganz Afghanistan über grundsätzliche Fragen zur Zukunft des Landes verhandeln sollen, ist nach ihrem Beginn am Donnerstag von ein Angriff überschattet worden. Aus der Nähe des Tagungsgeländes in Kabul wurden Explosionen und Gewehrfeuer gemeldet. Anwohner berichteten der F.A.Z. von mehreren Toten nach einem Feuergefecht zwischen Taliban-Kräften und den Angreifern. Zu der Aktion bekannte sich eine Gruppe namens Nationale Befreiungsfront.

Viele Menschen in Afghanistan erwarten sich von der Zusammenkunft von Taliban-Mitgliedern und weiteren Klerikern Entscheidungen über wesentliche Fragen wie etwa die Wiederöffnung der Schulen für Mädchen oberhalb der sechsten Klasse und einer Regierung unter Einbeziehung anderer Gruppen. Beide Punkte gehören zu den wesentlichen Forderungen der internationalen Gemeinschaft, um die Sanktionen zu lockern, die zum Kollaps der afghanischen Wirtschaft geführt haben.

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Von Taliban-Seite war angekündigt worden, dass die Versammlung keine Tagesordnung habe. Alle Themen könnten verhandelt werden, die von den Teilnehmern angesprochen würden. Am Donnerstag forderte nach einem Bericht des afghanischen Senders Tolo-News ein erster Repräsentant aus der Provinz Bamiyan, die Schulen für Mädchen in allen Jahrgangsstufen zu öffnen.

Taliban-Sprecher Zabihullah Mudschahid kündigte am Donnerstag an, dass möglicherweise auch Taliban-Emir Haibatullah Achundsada teilnehmen werde. Der Emir, der weitgehend zurückgezogen im südafghanischen Kandahar residiert, hält sich aus der Tagespolitik weitgehend zurück. Sein Erscheinen ist ein Indiz dafür, dass die Taliban-Führung der großen Ratsversammlung großes Gewicht beimisst. Möglicherweise könnten auch grundsätzliche Entscheidungen über das politische System behandelt werden, mit dem die Taliban das Land regieren wollen. Seit ihrer Machtübernahme im August des vergangenen Jahres haben die Islamisten nur eine „Übergangsregierung“ eingesetzt und Entscheidungen über viele grundsätzliche Fragen offen gelassen.

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Der stellvertretende Ministerpräsident Abdul Salam Hanafi sagte am Morgen, zu der Versammlung würden Repräsentanten aus verschiedenen Bereichen der Gesellschaft erwartet, Geistliche, Professoren, Wirtschaftsvertreter und einflussreiche Persönlichkeiten. Frauen sind nicht geladen. Hanafi sagte im staatlichen afghanischen Sender RTA: „Frauen sind unsere Mütter, Schwestern, wir respektieren sie sehr. Wenn ihre Söhne zusammenkommen, bedeutet das, dass sie auch auf eine Weise beteiligt sind.“

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Haneke, Alexander
Alexander Haneke
Redakteur in der Politik.
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