FAZ plus ArtikelSaubere Energie aus dem Süden

Wie Spanien zur Großmacht für grünen Wasserstoff werden will

Von Hans-Christian Rößler, Puertollano
10.08.2022
, 21:06
Bald soll die industrielle Produktion beginnen: Wasserstofftanks in der Iberdola-Fabrik in Puertollano
Spanien will zum „Hub der grünen Wasserstoffindustrie in Europa“ werden – und so russisches Erdgas ersetzen. In der kastilischen Kleinstadt Puertollano nimmt bald die erste Fabrik den Betrieb auf.
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Im heißen Herzen von Kastilien-La Mancha wird die Sonne geerntet. Am Abhang entlang der Landstraße nach Puertollano wachsen die Solarfelder immer weiter. Früher lebte die Kleinstadt vom Steinkohlebergbau. Ein alter Förderturm im Zentrum erinnert noch daran. Nach der Schließung der Gruben arbeiteten viele der Kumpel dann in der riesigen Raffinerie mit ihren unzähligen Schloten. Heute treiben ihre Söhne die Energiewende voran: Spanien will eine europäische Großmacht für grünen Wasserstoff werden und der frühere Bergarbeiterort mit gut 40.000 Einwohnern die Hauptstadt.

Die Photovoltaikanlagen am Stadtrand liefern den Strom, um Spanien zum „Hub der grünen Wasserstoffindustrie in Europa“ zu machen, wie es Ministerpräsident Pedro Sánchez formuliert. Puertollano ist auf diesem Weg am weitesten. Im Industriegebiet am Rand der Stadt steht Europas größte Fabrik für grünen Wasserstoff. Im Mai kam König Felipe zur feierlichen Eröffnung der Anlage, die der Energiekonzern Iberdrola gebaut hat. Überall auf der Welt werden in diesen Tagen neue Projekte vorgestellt, im Süden Kastiliens wird nach dem Probebetrieb schon bald die industrielle Produktion beginnen.

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Spaniens Energiemix

In Spanien ist der Wind die wichtigste Energiequelle. Im vergangenen Jahr sorgten die Windräder für knapp ein Viertel des gesamten Stroms. Die meisten Windräder stehen in Kastilien-León, Galicien und Aragón. Spanien nimmt bei der Windenergie einen Spitzenplatz in Eu­ropa ein. Die Solarenergie holt dagegen erst langsam wieder auf. Bis zur großen Finanzkrise 2008 war Spanien auch hier international führend. Dann kam es zunächst zu ei­nem Ausbaustopp. Momentan verfügt Spanien über rund 15 Gigawatt an Photovoltaik, bis 2030 sollen es mindestens 39 Gigawatt werden. Selbst die kleinen Niederlande ha­ben heute mehr. In diesem Jahr ist jedoch die Photovoltaik in Spanien dabei, die Windkraft zu überholen. Photovoltaik wandelt Sonnenenergie direkt in Elektrizität um. Durch Solarthermie wird zunächst heißes Wasser gewonnen. Auch Wasserkraft spielt eine Rolle, wenngleich sich die Folgen des Klimawandels be­merkbar machen. Unter der Franco-Diktatur wurden viele Stauseen errichtet, deren Kraftwerke jedoch mit ausbleibenden Niederschlägen und zunehmender Trockenheit zu kämpfen haben. Die Hitze, wenig Wind und der Dau­erbetrieb der Klimaanlagen führten dazu, dass Spanien in diesem Jahr viel mehr Erdgas im­portierte als sonst im Sommer. Trotz einer kurzzeitigen Zunahme in den vergangenen Wo­chen spielt Russland als Lieferant keine große Rolle. Das meiste Gas kommt per LNG-Tanker aus den USA und vom Golf sowie durch eine Pipeline aus Algerien. Die Versorgung für den Winter ist gesichert; eine Debatte über Laufzeitverlängerungen der Kernkraftwerke gibt es nicht. Sie produzieren rund ein Fünftel des Stroms und sollen schrittweise abgeschaltet werden.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Rößler, Hans-Christian
Hans-Christian Rößler
Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.
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