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Kommissionsentscheidung

Homo-Ehe in ganz Lateinamerika

Von Tjerk Brühwiller
 - 19:30

In praktisch allen Ländern Lateinamerikas muss die Ehe gleichgeschlechtlicher Paare anerkannt werden. Das hat die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte (CIDH) in Costa Rica entschieden. Anlass war eine Rechtsanfrage der Regierung in Costa Rica, die wissen wollte, ob für gleichgeschlechtliche Partnerschaften dieselben Eigentumsrechte wie für heterosexuelle gälten.

Die Richter gingen in ihrer 145-seitigen Entscheidung noch weiter: Es sei diskriminierend und unzulässig, Gesetze ausschließlich auf heterosexuelle Paare anzuwenden, hält das Gericht fest. Homosexuelle Paare sollten Zugang zu allen rechtlich anerkannten Haushaltsformen haben, einschließlich der Ehe.

Von Organisationen der Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transsexuellen (LGBT) wird die Entscheidung als historischer Durchbruch gefeiert. Die zwanzig Länder der Region, welche die Kompetenz des CIDH anerkennen, sind dazu verpflichtet, ihre Gesetzesgrundlagen entsprechend anzupassen. Wo der Anpassungsprozess sich als kompliziert erweist, müssten die Rechte mittels Übergangsbestimmungen garantiert werden, befand die CIDH.

Schon heute ist die gleichgeschlechtliche Ehe in fünf lateinamerikanischen Ländern zugelassen: Brasilien, Argentinien, Kolumbien, Uruguay und in einzelnen Bundesstaaten von Mexiko.

Was Gesetze für Homosexuelle betrifft, gehört Lateinamerika zu den progressivsten Regionen der Welt – nach der Entscheidung des CIDH erst recht. Die Gesetze sind eines, die Realität ist etwas anderes. Die gesellschaftliche Akzeptanz von Homosexuellen ist trotz aller Fortschritte auf Gesetzesebene sehr gering. Die katholische Kirche, doch vor allem auch die populären evangelikalen Freikirchen predigen ein sehr konservatives Gesellschaftsbild.

Auch in der Machokultur hat die Homosexualität keinen Platz. Homosexuelle leiden in Lateinamerika weiterhin unter Diskriminierung und zunehmender Gewalt. In Brasilien beispielsweise wurde 2017 laut LGBT-Organisationen im Schnitt täglich eine Person wegen ihrer sexuellen Orientierung getötet. Kürzlich ließ auch ein Gesetzesvorstoß aufhorchen, der vorsah, Homosexuelle zu Therapien zu verpflichten.

Quelle: F.A.Z.
Tjerk Brühwiller
Berichterstatter für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.
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