Hongkong

Neue Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizei

Aktualisiert am 01.12.2019
 - 07:04
Festnahme bei Protesten in Hongkong
Die Polizei in Hongkong verurteilt die Attacke eines Demonstranten auf einen Passanten. China wirft den Vereinten Nationen „unangemessene Einmischung“ vor.

In Hongkong hat es in der Nacht zum Sonntag vereinzelt Zusammenstöße zwischen Demonstranten und der Polizei gegeben. Erstmals seit der Kommunalwahl am vergangenen Wochenende setzten die Sicherheitskräfte wieder Tränengas gegen die Demonstranten ein. Die Polizei warf einem Demokratie-Aktivisten vor, einen Passanten brutal angegriffen zu haben.

Demonstranten hatten in der Nacht mehrere Straßen im Stadtteil Mong Kok besetzt. Auf einem im Internet verbreiteten Video war zu sehen, wie ein Demonstrant einen Passanten attackierte, der versuchte, eine verbarrikadierte Straße freizuräumen. Auf der Aufnahme ist zu sehen, wie der Passant von einem Gegenstand aus Metall am Kopf getroffen wird und daraufhin stürzt. Von seinem Kopf tropft Blut.

„Er hätte sterben können“

Hongkongs Polizeichef Tang Ping Keung verurteilte den Angriff am Sonntagmorgen im Radio. „Er hätte sterben können“, sagte Tang. Die Polizei leitete Ermittlungen ein. Der Zustand des angegriffenen Mannes war zunächst unklar.

Krankenhäuser gaben an, dass in der Nacht drei Menschen, die während der Proteste Verletzungen erlitten hatten, eingeliefert worden seien. Einer von ihnen sei bereits entlassen worden, die anderen seien inzwischen in stabilem Zustand.

Am Sonntag setzten die Demonstranten ihre Proteste fort. An einer ersten Kundgebung am Morgen, die laut Polizei ruhig verlief, beteiligten sich Familien mit Kindern und Senioren. Für den weiteren Tagesverlauf waren zwei weitere von der Polizei genehmigte Demonstrationen geplant.

Die Aktivisten planen unter anderem einen Demonstrationszug zum amerikanischen Konsulat. Damit will die Protestbewegung ein Zeichen des Dankes für die vom Kongress beschlossenen Gesetze zur Unterstützung der Hongkonger Demokratiebewegung senden. Am Abend soll es zudem einen weiteren Protestmarsch geben, bei dem die Aktivisten ihre Forderungen an die Regierung, darunter freie Wahlen und eine Untersuchung der Polizeigewalt, wiederholen wollen.

In Hongkong gibt es seit sechs Monaten Massenproteste, die immer häufiger in Gewalt umschlagen. Seither wurden nach Polizeiangaben mehr als 5800 Menschen festgenommen; knapp 1000 von ihnen wurden angeklagt.

China warf unterdessen der UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet eine „unangemessene Einmischung“ in die internen Angelegenheiten des Landes vor. Die chinesische Vertretung bei den Vereinten Nationen in Genf bezeichnete am Samstag einen Meinungsbeitrag Bachelets, in dem sie eine unabhängige Untersuchung der Polizeigewalt in Hongkong gefordert hatte, als „fehlerhaft“ und als „Verletzung der Ziele und Prinzipien der Charta der Vereinten Nationen“.

Bachelets am Samstag veröffentlichter Artikel in der „South China Morning Post“ enthalte „unangemessene Anmerkungen zur Sonderverwaltungszone Hongkong“ und sei eine „Einmischung in die internen Angelegenheiten Chinas“, hieß es in der Erklärung der chinesischen UN-Vertretung.

Quelle: peer./AFP
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