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Auseinandersetzungen in Indien

Immer mehr Tote nach Unruhen in Delhi

Von Till Fähnders, Singapur
Aktualisiert am 26.02.2020
 - 11:09
Dieses Geschäft in Delhi wurde in Brand gesetzt.
In der indischen Hauptstadt ist die Gewalt zwischen Hindus und Muslimen eskaliert. Es gab mindestens 20 Tote und Hunderte Verletzte. Ministerpräsident Modi plädiert für „Frieden und Harmonie“.

Drei Tage lang waren Gruppen junger Männer mit Stöcken bewaffnet durch den Nordosten Delhis gezogen. Sie hatten Autos, Geschäfte und Häuser angezündet, Steine geworfen und auf Menschen eingeprügelt. Die Polizei reagierte zögerlich oder überhaupt nicht. Die Bilanz dieser Gewaltorgie zwischen Hindus und Muslimen: mindestens 20 Tote und Hunderte Verletzte. Die meisten der Opfer starben an Schussverletzungen. Tausende Polizisten wurden in das Unruhegebiet verlegt. Der der gerade erst wiedergewählte Regierungschef von Delhi Arvind Kejriwal, rief die Zentralregierung am Mittwoch sogar dazu auf, die Armee zu Hilfe zu rufen. „Die Polizei ist trotz all ihrer Bemühungen nicht in der Lage, die Situation unter Kontrolle zu bringen“, schrieb Kejriwal auf Twitter.

Es war die schwerste Gewalt in der Hauptstadt seit Jahrzehnten. Doch Ministerpräsident Narendra Modi äußerte sich erst am Mittwoch zum ersten Mal zu den Ausschreitungen. „Frieden und Harmonie sind zentraler Teil unserer Ethik. Ich rufe meine Schwestern und Brüder in Delhi auf, den Frieden und die Brüderlichkeit immer zu wahren. Es ist wichtig, dass Ruhe und Normalität so schnell wie möglich wiederhergestellt werden“, schrieb er auf Twitter. Modi hatte Montag und Dienstag dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump einen spektakulären Empfang bereitet. Während Trump und Modi am Dienstagabend gemeinsam an einem Staatsbankett teilnahmen, randalierte einige Kilometer weiter der Mob.

Atmosphäre der Angst und des Hasses

Der Trump-Besuch sollte dabei auch positive Bilder bringen, nachdem in Delhi und anderen Städten seit Wochen gegen Modis neues Staatsbürgerschaftsgesetz protestiert worden war. Das Gesetz wird als diskriminierend gegenüber Muslimen kritisiert. Die Gewalttaten waren ausgebrochen, als ein Politiker aus Modis Partei zu Gegendemonstrationen im Nordosten der Stadt aufgerufen hatte. Am Sonntag flogen Steine und Brandsätze, Fahrzeuge wurden angezündet. Bald hatte die Gewalt die Gebiete Maujpur, Jaffrabad, Bhajanpura, Yamuna Vihar, Chand Bagh und Gokalpuri erfasst. Was als Auseinandersetzung zwischen Gegnern und Befürwortern des Gesetzes begonnen hatte, entwickelte sich zu einem typischen Straßenkampf zwischen Anhängern verschiedener Religionen in Indien.

Wie indische Journalisten berichteten, war unter anderem ein Hindu-Mob gezielt auf Menschen losgegangen, die er für Muslime hielt. Auch Journalisten waren bedroht und nach ihrer Religionszugehörigkeit gefragt worden. Der randalierende Mob hatte demnach immer wieder „Jai Shri Ram“ (Lang lebe der Gott Ram) gerufen, ein vor allem bei Hindunationalisten beliebter Ausruf. Unter anderem randalierten Hindus auch in einer Moschee in dem Gebiet Ashok Nagar. Ein Video zeigte einen Mann, der auf das Minarett geklettert sein soll und dort die safrangelbe Flagge der religiösen Hindus gehisst hatte. Die Authentizität des Videos wurde von Internetnutzern angezweifelt. Aus der Berichterstattung stach ein Foto heraus, das eine Menge zeigte, die mit Stöcken auf einen weiß gekleideten Mann einschlug. Er kauerte blutüberströmt auf dem Boden und versuchte, sich vor den Schlägen zu schützen.

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Kritiker der Regierung machten die aufwiegelnde Rhetorik und die Minderheitenpolitik der regierenden Hindunationalisten um Modi, seinen Innenminister Amit Shah und ihre Bharatiya Janata Party (BJP) für die Gewalt verantwortlich. Sonia Gandhi, die Vorsitzende der oppositionellen Kongresspartei, forderte am Mittwoch in einem seltenen Auftritt vor der Presse den Rücktritt des Innenministers, der auch für die Polizei verantwortlich ist. Ihr zufolge gibt es eine Verschwörung. Das habe sich auch schon bei der Wahl zum Landesparlament in Delhi vor kurzem gezeigt, bei der die BJP gegen Kejriwals Partei verloren hatte. Viele BJP-Anführer hätten im Wahlkampf aufrührerische Kommentare abgegeben und damit eine Atmosphäre der Angst und des Hasses geschaffen.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Fähnders, Till (fäh.) (Bild)
Till Fähnders
Politischer Korrespondent für Südostasien.
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