Rede im staatlichen Fernsehen

Chamenei: Israel muss entwurzelt werden

22.05.2020
, 16:48
Mit antiisraelischen Äußerungen hat Irans Führung international Kritik auf sich gezogen. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Benny Gantz warnten davor, Israel herauszufordern.

Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei hat den unabhängigen jüdischen Staat Israel als Geschwulst in der Nahost-Region bezeichnet, die mit einem Dschihad (Heiliger Krieg) der Palästinenser entwurzelt und entfernt werden müsse. Chamenei äußerte sich am Freitag anlässlich des sogenannten Al-Quds-Tages. Der Tag soll an die Besetzung Ost-Jerusalems durch Israel während des Sechstagekrieges 1967 erinnern. Al-Quds ist der arabische Name für Jerusalem.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Benny Gantz warnten davor, Israel herauszufordern. Israel werde für alle Bedrohungen gerüstet sein, schrieb Gantz auf Facebook. Er wird Netanjahu im Herbst nächsten Jahres als Ministerpräsidenten ablösen.

Das Auswärtige Amt missbilligte die Äußerungen Chameneis. Es erklärte auf Twitter: „Wir verurteilen das Aufrufen zur Vernichtung Israels, die Legitimierung von Terror und das Verbreiten antisemitischer Inhalte auf das Schärfste. Solche israel-feindlichen Äußerungen wie nun erneut von iranischer Seite sind absolut inakzeptabel.“

Der Zerfall Israels und die „Befreiung Palästinas“ gehören seit Jahrzehnten zur außenpolitischen Doktrin Irans.

Scharfe Kritik für „Endlösung“-Bild

Die Besetzung Palästinas und Vertreibung von Millionen Menschen von ihrem Land bezeichnete Chamenei in seiner Rede im staatlichen Fernsehen als ein „einzigartiges Verbrechen“ in der Weltgeschichte. Mit den „Verbrechern“ der Zionisten in Israel sollte man daher mit Stärke vorgehen und nicht mit Verhandlungen, so der Ajatollah, der laut Verfassung das letzte Wort in allen strategischen Belangen hat.

Chamenei hatte mit einem Bild zur „Endlösung“ in Jerusalem zuvor bereits scharfe Kritik ausgelöst. Die Zeichnung unter dem Motto „Palästina wird frei sein“ zeigt den Jerusalemer Tempelberg. Darüber steht: „Die Endlösung: Widerstand bis zu einem Referendum.“

Chamenei hatte dazu auf Twitter geschrieben: „Wir werden jede Nation oder Gruppe, die gegen das zionistische Regime ist und es bekämpft, unterstützen.“ Die „Eliminierung des zionistischen Regimes“ bedeute nicht die der Juden. Es bedeute vielmehr, ein „aufgedrängtes Regime“ wie das von Netanjahu abzuschaffen. Netanjahu und auch der amerikanische Außenminister Mike Pompeo hatten Chamenei für das „Endlösung“-Bild scharf verurteilt.

Bei der Wannsee-Konferenz in Berlin hatten 1942 fünfzehn ranghohe Vertreter des NS-Staats darüber beraten, wie die sogenannte Endlösung der Judenfrage – die millionenfache Ermordung der europäischen Juden – möglichst effektiv umgesetzt werden kann.

Der Al-Quds-Tag wird jedes Jahr am letzten Freitag des Fastenmonats Ramadan veranstaltet. Dieses Jahr wurden in Iran die staatlich-organisierten Massendemonstrationen wegen der Corona-Krise und der hohen Ansteckungsgefahr abgesagt – genauso wie ein von Präsident Hassan Rohani vorgeschlagener Autokorso in der Hauptstadt Teheran. Die Iraner konnten auf qudsday.net virtuell an der Veranstaltung teilnehmen.

Auch andere iranische Führer meldeten sich am Al-Quds-Tag zu Wort. „Dieser Tag symbolisiert die Einheit der Muslime bei der Verteidigung islamischer Ideale“, sagte Rohani. Zu diesen Idealen gehöre Jerusalem als Hauptstadt Palästinas anzuerkennen. Nach den Worten von Außenminister Mohammed Dschawad Sarif wird Iran die „palästinensischen Freiheitsbewegungen“ weiterhin uneingeschränkt unterstützen. Iran werde auch nicht zulassen, dass Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt und der „Deal des Jahrhunderts“ durchgeführt wird.

Diese Äußerung bezieht sich auf den Nahost-Plan des amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Israel erwägt, im Zuge des Planes Teile des Westjordanlandes wie beispielsweise das Jordantal annektieren.

Quelle: dpa
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