Naher Osten

Israelische Soldaten vereiteln Messerangriff

Von Christian Meier, Tel Aviv
17.05.2022
, 18:55
Ausschreitungen zwischen israelischen Polizisten und Palästinensern beim Begräbnis von Walid al-Sharif am 16. Mai 2022 in der Altstadt von Jerusalem.
Nach dem Tod einer Journalistin bleibt es in den palästinensischen Gebieten unruhig. Israelische Soldaten vereiteln einen Messerangriff, bei Unruhen während eines Begräbnisses werden mehr als 70 Menschen verletzt.
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Eine Woche nach der Tötung der amerikanisch-palästinensischen Journalistin Shireen Abu Akleh unter ungeklärten Umständen bleibt die Situation in den von Israel besetzten palästinensischen Gebieten angespannt. In der Nähe der Stadt Nablus vereitelten israelische Soldaten am Dienstag einen Messerangriff. Auf dem Video einer Überwachungskamera ist zu sehen, wie ein Palästinenser auf einen Posten der Besatzungsmacht zurennt. Die Soldaten schießen auf den Angreifer und verwunden ihn. Immer wieder kommt es im Westjordanland und in Ostjerusalem zu Messerattacken, meist auf Soldaten. Israel hält die Gebiete seit 1967 besetzt.

Ministerpräsident Naftali Bennett besuchte am Dienstag ein Militärhauptquartier im Westjordanland und sagte dort: „Jeder, der die Hand gegen einen israelischen Zivilisten oder einen Soldaten der IDF (der israelischen Armee) erhebt, wird dafür bezahlen.“ Weiter sagte Bennett, seine Anweisung an die Armee sei klar: gegen Terroristen vorzugehen, überall und mit jeder verfügbaren Waffe. Israelischen Medienberichten zufolge erwägt die Armee, künftig auch Kampfhubschrauber und bewaffnete Drohnen bei Militäroperationen im Westjordanland einzusetzen. Am Freitag war ein Angehöriger einer Eliteeinheit der Polizei bei einem Feuergefecht mit Palästinensern nahe der Stadt Dschenin verwundet worden und später gestorben.

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Mehr als 70 Verletzte nach Begräbnis

Unruhig blieb es auch in Ostjerusalem: Dort war am Montagabend abermals ein Begräbnis eskaliert, sechs Polizisten und mehr als 70 Palästinenser wurden verletzt. Laut Polizeiangaben warfen Hunderte Randalierer Steine, Flaschen und Feuerwerkskörper auf Polizisten, die Polizei setzte Schlagstöcke und Tränengas ein und feuerte Gummigeschosse sowie Schockgranaten. Bis Dienstagmittag wurden laut offiziellen Angaben 20 Personen festgenommen. Die Unruhen begannen laut israelischer Darstellung, als ein Auto auf Polizisten zuraste, die daraufhin auf die Reifen schossen.

Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas sowie das jordanische Außenministerium kritisierten das Verhalten der israelischen Sicherheitskräfte. Der zu Grabe Getragene, ein 21 Jahre alter Ostjerusalemer, war Ende April bei Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und israelischen Sicherheitskräften auf dem Al-Aqsa-Plateau verwundet worden und am Wochenende gestorben. Der Darstellung seiner Familie zufolge war er von einem Gummigeschoss getroffen worden; israelische Behörden sagen, er habe Steine geworfen, sei dabei gestürzt und mit dem Kopf auf den Steinboden aufgeschlagen.

Erst am Freitag war es bei dem Begräbnis der Journalistin Abu Akleh zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Palästinensern gekommen. Das Verhalten der Sicherheitskräfte wurde deutlich kritisiert, etwa am Montag vom Lateinischen Patriarchen Jerusalems, Pierbattista Pizzaballa. Er sprach von einem „unverhältnismäßigen Einsatz von Gewalt“ durch Polizisten, die etwa gegen Teilnehmer des Trauerzugs mit palästinensischen Flaggen vorgingen. Die Polizei kündigte eine Untersuchung an.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Meier, Christian
Christian Meier
Politischer Korrespondent für den Nahen Osten und Nordostafrika.
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