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Elite-Schule in Istanbul

Gymnasium dementiert Weihnachtsverbot

 - 17:41

Das deutsch-türkische Elite-Gymnasium Istanbul Lisesi hat dementiert, dass die türkische Schulleitung ein Weihnachts-Verbot erlassen habe. Das entspreche nicht der Wahrheit, hieß es in einer am Sonntagabend auf der Homepage der Schule veröffentlichten Mitteilung. Allerdings hätten die deutschen Lehrer im Unterricht „vor allem in den letzten Wochen Texte über Weihnachten und das Christentum auf eine Weise behandelt, die nicht im Lehrplan vorgesehen ist“. Sie hätten dabei Aussagen gemacht, „die von außen betrachtet den Weg für Manipulationen freimachen“.

Daraufhin habe die türkische Schulleitung „unverzüglich“ ein Treffen mit der Leitung der deutschen Abteilung einberufen, heiß es weiter. Dabei seien die deutschen Lehrer aufgefordert worden, solche „Gerüchte“ nicht zu befördern. Sie seien außerdem aufgefordert worden, im Sinne der „Zusammenarbeit der beiden Länder“ Sensibilität zu zeigen.

In einer E-Mail, die die Leitung der deutschen Abteilung des Istanbul Lisesi an das Kollegium schickte und die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, hieß es: „Es gilt nach Mitteilung der türkischen Schulleitung eben, dass ab sofort nichts mehr über Weihnachtsbräuche und über das christliche Fest im Unterricht mitgeteilt, erarbeitet sowie gesungen wird.“

Politiker forderten Einbestellung des Botschafters

Als Reaktion auf das Weihnachtsverbot an einer türkisch-deutschen Schule in Istanbul hatten deutsche Politiker die Einbestellung des türkischen Botschafters gefordert. „Ich finde, dass dem türkischen Botschafter in einem Gespräch im Auswärtigen Amt das Befremden vorgetragen werden sollte, das wir bei diesem Vorgang empfinden“, sagte der Unions-Außenexperte Jürgen Hardt den Zeitungen der Funke-Mediengruppe vom Montag. Die türkische Regierung unter Präsident Recep Tayyip Erdogan schlage geradezu mutwillig die Türen nach Europa zu und führe das Land damit in eine schwere Krise. „Das ist ein weiteres Zeichen dafür“, sagte der CDU-Politiker.

Auch die Linkspartei äußerte sich empört. „Es zeigt sich, wie weit der islamistische Wahn der AKP mittlerweile geht, wenn selbst Weihnachten an einer Schule zum Tabu erklärt wird, die mit deutschen Steuergeldern gefördert wird“, sagte die Linken-Politikerin Sevim Dagdelen der Zeitung „Tagesspiegel“ vom Montag. Die Bundesregierung müsse unverzüglich den türkischen Botschafter einbestellen und eine Protestnote an Ankara senden. Außerdem dürfe die Schule in Istanbul nicht länger von Deutschland mitfinanziert werden.

Medienberichten zufolge hatte die türkische Schulleitung die deutsche Abteilung des Gymnasiums angewiesen, ab sofort nichts mehr über Weihnachtsbräuche und das christliche Fest im Unterricht mitzuteilen, zu erarbeiten oder zu singen. Die Schule wird den Berichten zufolge ausschließlich von türkischen Schülern besucht, die meisten Fächer werden aber auf Deutsch unterrichtet. Das staatliche türkische Gymnasium will dieses Jahr entgegen den Vorjahren auch nicht am Weihnachtskonzert des deutschen Generalkonsulats in Istanbul teilnehmen. Die deutschen Lehrer werden von der Bundesrepublik Deutschland an die Schule entsandt.

Scheuer: „Weihnachten gehört zu Deutschland“

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer warf der Türkei vor, gegen die Religionsfreiheit zu verstoßen. „Weihnachten gehört zu Deutschland – und auch in einer deutschen Schule. Ohne Wenn und Aber“, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Türkische Schulleitung und türkischer Staat können jetzt sofort Klarheit schaffen, ob man die Zusammenarbeit will oder harte Konsequenzen riskieren möchte.“ Religionsfreiheit sei ein hohes Gut des aufgeklärten Europas. „Das Vorgehen gegen Religionsfreiheit ist ein erneuter Beweis, dass die Erdogan-Türkei alle Brücken nach Europa abreißt“, bemängelte Scheuer.

Kritik kam auch von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). „Die Kenntnis religiöser und kultureller Traditionen gehört zum Bildungsbasiswissen“, sagte die Auslandsbischöfin der EKD, Petra Bosse-Huber, den Zeitungen der Funke-Mediengrupe. „Warum hier ausgerechnet jetzt ein Riegel vorgeschoben werden soll, ist nicht nachvollziehbar.“

In Kreisen des Auswärtigen Amtes wurde mit Unverständnis auf das Vorgehen der Schule reagiert. „Wir verstehen die überraschende Entscheidung der Leitung des Istanbul Lisesi nicht“, hieß es. „Es ist sehr schade, dass die gute Tradition des vorweihnachtlichen interkulturellen Austausches an einer Schule mit langer deutsch-türkischer Tradition in diesem Jahr ausgesetzt wurde. Wir nehmen das natürlich mit unseren türkischen Gesprächspartnern auf.“

Nouripour: „Ein Verbot ist nicht hinnehmbar“

Auch die Grünen kritisierten das Weihnachts-Verbot scharf und forderten Konsequenzen. „Ein Verbot des Themas Weihnachten an Schulen ist nicht hinnehmbar, erst recht, wenn sie von Deutschland mitfinanziert werden“, sagte der außenpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Omid Nouripour, der Nachrichtenagentur dpa in Istanbul. „Die Bundesregierung muss dies Ankara gegenüber eindeutig klarmachen. Wenn die türkische Regierung darauf nicht eingeht, dann muss die Finanzierung für die Schule eingestellt werden.“ Nouripour kündigte eine Anfrage an die Bundesregierung zu dem Thema an.

Die derzeit 35 deutschen Lehrer des Istanbul Lisesi werden von der Bundesrepublik entsandt und aus Steuermitteln bezahlt, was auf eine jährliche finanzielle Förderung in Millionenhöhe hinausläuft. Das traditionsreiche Elite-Gymnasium wird ausschließlich von türkischen Schülern besucht, ist aber eine anerkannte deutsche Auslandsschule.

Grundlage ist ein Zusatzvertrag zum Kulturabkommen zwischen Deutschland und der Türkei, wonach Deutschland bis zu 80 deutsche Lehrer an bestimmte türkische Schulen entsendet. Das deutsche Kollegium an der Schule hat eine eigene Abteilungsleitung, die aber der türkischen Schulleitung untersteht. Kritiker werfen der AKP-Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan vor, traditionell säkular geprägte Schulen wie das Istanbul Lisesi zunehmend auf ihren islamisch-konservativen Kurs zu zwingen.

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Im deutschen Lehrerkollegium herrscht schon seit langem erhebliche Verunsicherung, was den Kurs der Elite-Schule betrifft. Diese Verunsicherung wurde durch die jüngste Anordnung zum Thema Weihnachten nun weiter verschärft. Neben dem Istanbul Lisesi gibt es in Istanbul noch ein deutsches Gymnasium, das Alman Lisesi. Dort sind außer türkischen auch deutsche Schülerinnen und Schüler.

Das Weihnachts-Verbot an der Schule dürfte nur schwerlich in Einklang mit dem Kulturabkommen zu bringen sein. Der Vertrag besagt in Artikel 12: „Die Vertragsparteien werden bemüht sein, sich gegenseitig dabei zu unterstützen, ihren Völkern die Kenntnis der Kulturgüter des anderen Landes zu vermitteln.“

Quelle: dpa
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