Debatte über Meinungsfreiheit

Ein Rapper beleidigt Juan Carlos – und tritt seine Haft nicht an

Von Hans-Christian Rößler, Madrid
15.02.2021
, 10:57
Weil er Juan Carlos als „Parasiten“ und „Mörder“ bezeichnet hat, wurde der Rapper Pablo Hasél zu mehreren Monaten Haft verurteilt. Seitdem diskutiert Spanien über Meinungsfreiheit – und Hasél macht neue Clips, statt die Haft anzutreten.

Statt seine Freiheitsstrafe anzutreten, reagiert der spanische Rapper mit einem neuen Videoclip. Gleich in der ersten Strophe nennt Pablo Hasél König Felipe einen „Tyrannen“. Seit Freitag ist der Rapper zur Fahndung ausgeschrieben, weil er sich nicht freiwillig im Gefängnis gemeldet hatte. Für neun Monate und einen Tag soll der Rapper, der mit bürgerlichem Namen Pablo Rivadulla Duró heißt, in Haft. Seine Verurteilung wegen „Beleidigung und Verunglimpfung der Krone“ und „Verherrlichung des Terrorismus“ geht auf 64 Nachrichten zurück, die er zwischen 2014 und 2016 bei Twitter veröffentlichte, sowie auf ein Lied auf Youtube.

Er hatte den emeritierten König Juan Carlos als „Parasit“ und „Mörder“ beschimpft und das Königshaus als „mafiöse Bande“. Den Bürgermeister seiner katalanischen Heimatstadt Lleida nannte er „Missgeburt, die einen Schuss verdiene“. Neben einem Foto eines Mitglieds der linksterroristischen Gruppe Grapo schrieb er: „Demonstrationen sind notwendig, aber nicht genug.“ Vor dem jüngsten Urteil, das der Oberste Gerichtshof im Mai 2020 endgültig bestätigt hatte, war er schon mehrmals zu Freiheitsstrafen verurteilt worden.

Regierung kündigt Gesetzesreform an

Das Urteil setzte in Spanien eine Debatte über Kunst- und Meinungsfreiheit in Gang. In Madrid forderten Demonstranten „Freiheit für Hasél“. Mehr als 200 Künstler, unter ihnen der Regisseur Pedro Almodóvar, unterschrieben einen Aufruf, in dem sie dem Rapper ihrer Solidarität versichern. „Wenn wir Pablo ins Gefängnis gehen lassen, kann es morgen jeden von uns treffen“, schreiben sie und vergleichen die Lage in Spanien mit repressiven Regimen wie in Marokko und der Türkei.

Die Linksregierung kündigte in der vergangenen Woche an, die Gesetze zu reformieren, die zu dem harten Urteil führten. Die linksalternative Podemos-Partei will Straftatbestände wie die Beleidigung der Krone und staatlicher Institutionen, die Verletzung religiöser Gefühle und die Verherrlichung des Terrorismus ganz abschaffen.

In Spanien wird seit Jahren über das „Maulkorbgesetz“ (Ley Mordaza) gestritten, das die konservative Regierung 2015 verabschiedet hatte. Nach Meinung seiner Kritiker schränkt das „Gesetz zur Sicherheit der Bürger“ die Grundrechte zu stark ein und gibt der Polizei zu viel Freiraum. Vor zweieinhalb Jahren war der mallorquinische Rapper mit dem Künstlernamen Valtònyc wegen Verherrlichung von Terrorismus, Beleidigung der Krone und Morddrohungen in seinen Liedtexten zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Josep Miquel Arenas, wie sein bürgerlicher Name lautet, setzte sich nach Belgien ab; dorthin sind auch katalanische Separatisten geflohen, unter ihnen Carles Puigdemont. Für Pablo Hasél, für den die angekündigte Justizreform zu spät kommt, ist das jedoch kein Ausweg. „Das Exil ist auch nicht die Freiheit“, sagte er in einem Interview.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Rößler, Hans-Christian
Hans-Christian Rößler
Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.
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