Kenianischer Kandidat Odinga

Der Verlierer mit dem ungebrochenem Kampfgeist

Von Claudia Bröll, Kapstadt
16.08.2022
, 15:06
Raila Odinga bei einer Sonntagsmesse in der St. Francis Kirche in Nairobi.
Kenias Oppositionsveteran Raila Odinga hat viermal für die Präsidentschaft kandidiert. Jetzt ist er auch beim fünften Anlauf unterlegen geblieben – und nimmt die Niederlage auch dieses Mal nicht hin.
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Kanaan, das Land, in dem Milch und Honig fließen, hatte Raila Odinga versprochen. In Kenia schmücken Politiker ihre Wahlkampfreden gerne mit Bibelzitaten. Die lange und dunkle Nacht sei fast vorbei, der Morgen breche bald an, verkündete er weiter. Für den wortgewaltigen Oppositionsveteran, der in der DDR einst Ingenieurwesen studierte und für den FC Magdeburg kickte, ist dieser neue Morgen nun doch nicht angebrochen. Viermal hat er vergeblich versucht, die Präsidentschaft zu erlangen. Nun ist er auch bei seinem fünften Anlauf unterlegen geblieben. Die Wahlkommission hat seinen Gegner, Vizepräsident William Ruto, zum Sieger der Wahl mit etwas mehr als 50 Prozent der Stimmen erklärt.

Insbesondere in den Armenvierteln wird „Baba“, wie er genannt wird, leidenschaftlich verehrt. Er ist eine Vaterfigur, ein Held, der einst für die Mehrparteien-Demokratie gekämpft hatte, sich für Menschenrechte und faire Wahlen einsetzte. Für seinen Widerstand gegen die Diktatur unter Präsident Daniel arap Moi saß er zweimal im Gefängnis, einmal wegen eines angeblichen Putschversuchs gegen Moi. Das Aufbegehren gegen die Mächtigen machte ihn für viele zu einem Idol. Wie bei dem letzten Auftritt vor der Wahl zu spüren war, versteht er es zudem meisterhaft, die Massen für sich zu begeistern.

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Alle „rechtlichen Möglichkeiten“ ausschöpfen

In dieser Verehrung steckt aber auch eine Gefahr. Als Odinga nach den verlorenen Wahlen 2007 von Betrug sprach, brachen bürgerkriegsähnliche Unruhen aus. Mehr als 1200 Menschen starben. Nach Vermittlung durch UN-Generalsekretär Kofi Annan wurde am Ende eine Machtteilung vereinbart, Odinga wurde Ministerpräsident.

2017 brach nach seiner Niederlage abermals Gewalt aus. Das Oberste Gericht annullierte die Wahl, aber nicht wegen Wahlbetrugs, wie ihn Odinga als erwiesen ansah, sondern wegen Verfahrensfehlern. Die Wiederholung boykottierte er, weil er eine faire Wahl bezweifelte. Stattdessen ließ er sich in einer Show-Veranstaltung zum „Präsident des Volkes“ vereidigen. Er ist ein Mann der großen Auftritte. Stadien sind seine bevorzugten Orte. Das zeigte sich auch in dieser Wahl, als er einer Fernsehdebatte mit Ruto fernblieb. Mit einem Mann von fehlender Moral könne er nicht das Podium teilen, teilte er mit, und überließ die 90 Minuten lange Debattierzeit seinem Rivalen allein. Auch der Verkündung des Wahlergebnisses am Montag blieb er aus Protest fern.

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Für den 77 Jahre alten ewigen Oppositionskandidaten muss die abermalige Niederlage herzzerreißend sein. Um die Präsidentschaft hatte schon sein Vater gerungen. Er war der erste Vizepräsident nach der Unabhängigkeit und wie sein Sohn viele Jahre Oppositionsführer. Doch trotz des fortgeschrittenen Alters gibt es keine Anzeichen für ein Nachlassen der Hartnäckigkeit und Kampfeslust, die Odingas gesamte politische Laufbahn geprägt haben. Für seine Anhänger kann es trotz des Wahlergebnisses nur einen Gewinner dieser Wahl geben. Und am Dienstag kündigte der unterlegene Kandidat auch selbst an, die Wahl anzufechten. Das bekanntgegebene Ergebnis sei „eine Farce“, sagte Odinga. Er werde alle "rechtlichen Möglichkeiten" dagegen ausschöpfen.

Quelle: FAZ.NET
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Claudia Bröll
Politische Korrespondentin für Afrika mit Sitz in Kapstadt.
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