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Jamal Khasoggi

Warum vergeben die Söhne den Mördern ihres Vaters?

Von Christoph Ehrhardt
Aktualisiert am 22.05.2020
 - 17:20
Salah Khashoggi, hier bei der Trauerfeier für seinen Vater Jamal im November 2018, hat den Mördern nun vergeben.
Die Söhne des ermordeten saudischen Journalisten Jamal Khashoggi verzeihen den Mördern ihres Vaters. Die Umstände lassen vermuten, dass sie von der saudischen Führung unter Druck gesetzt werden.

Salah Khasoggi bezog sich auf den islamischen Fastenmonat Ramadan und auf einen Koranvers, laut dem Gott Vergebung und Versöhnung belohnt. „Deshalb verkünden wir, die Söhne des Märtyrers Jamal Khasoggi, denjenigen zu verzeihen, die unseren Vater getötet haben“, hieß es in der Erklärung, die er in der Nacht zum Freitag auf Twitter veröffentlichte. Im Ramadan sind solche noblen Gesten üblich. Doch es herrscht der Verdacht, dass die Hand des Khasoggi-Sohnes von anderer Stelle geführt wurde.

Westliche Diplomaten und andere Beobachter gehen davon aus, dass die saudische Führung die Angehörigen des 2018 ermordeten Kritikers von Kronprinz Muhammad Bin Salman unter Druck setzt. Salah lebt im Königreich – und er lebte wohl gefährlich, würde er sich weniger folgsam zeigen. Zugleich sind der Khasoggi-Sohn und drei seiner Geschwister mit hohen Geldzahlungen und millionenschweren Immobilien entschädigt worden.

Imageschaden für den Kronprinz

Die Affäre um den Mordfall Khasoggi – er wurde im saudischen Konsulat in Istanbul umgebracht, anschließend wurde sein Leichnam mit einer Knochensäge zerteilt und fortgeschafft – hat dem Image des autoritären Kronprinzen schweren Schaden zugefügt. Muhammad Bin Salman treibt zwar einerseits in ungekannter Geschwindigkeit die gesellschaftliche Öffnung des Königreichs voran.

Zugleich geht er brutal gegen jegliche Form von Dissens vor. Nachdem sie sich eine Zeit lang erfolglos gewunden hatte, hat die saudische Führung den Mord an Khasoggi zugegeben, ihn aber als aus dem Ruder gelaufene Aktion eines außer Kontrolle geratenen Greiftrupps dargestellt. Der Kronprinz soll damit nichts zu tun gehabt haben. Westliche Geheimdienste gehen eher davon aus, dass er den Mord angeordnet hat.

Die Glaubwürdigkeit des Königreichs befördert hat die Begnadigung durch den Khasoggi-Sohn nicht. Agnes Callamard, eine UN-Expertin, die der saudischen Führung in ihrem Untersuchungsbericht zum Fall Khasoggi Vertuschungsversuche vorgeworfen hat, schrieb auf Twitter: „Dies ist das letzte Teil des saudischen Straflosigkeitspuzzles, der letzte Akt der Parodie des Rechts, die vor einem globalen Publikum aufgeführt wird.“

Khasoggis Verlobte ist erzürnt

Im Dezember hatte ein saudisches Gericht am Ende eines undurchsichtigen Verfahrens acht Personen für die Beteiligung an dem Khasoggi-Mord verurteilt – fünf von ihnen zum Tode. Es wurde aber die Hintertür offen gelassen, dass die Strafe im Fall einer Begnadigung durch die Angehörigen umgewandelt werden kann. Damals gab es scharfe Kritik an dem Urteil, Salah Khasoggi hatte es verteidigt.

Die türkische Verlobte von dessen ermordetem Vater, Hatice Cengiz, zeigte sich am Freitag empört: „Niemand hat das Recht, seine Mörder zu begnadigen“, schrieb sie auf Twitter. „Jamal Khasoggi ist zu einem internationalen Symbol geworden, das größer ist als jeder von uns, bewundert und geliebt wird.“

Quelle: F.A.Z.
Christoph Ehrhardt  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Christoph Ehrhardt
Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.
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