Antwort auf Russlands Kinschal

USA vermelden erfolgreichen Test von Hyperschallwaffe

Von Lorenz Hemicker
17.05.2022
, 15:25
Vor einem Test: Die AGM-183A ARRW wird unter einem Flügel der B-52H auf der Edwards Luftwaffenbasis in Kalifornien montiert (Archivbild)
Eine Hyperschallwaffe des Typs AGM-183 ARRW beschleunigt über der amerikanischen Westküste auf fünffache Schallgeschwindigkeit. Schließen die Amerikaner zu Russland auf?
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Die Vereinigten Staaten haben offenbar einen wichtigen Schritt im Rüstungswettlauf um Hyperschallwaffen mit Russland und China gemacht. Die amerikanische Luftwaffe gab am Montag den ersten erfolgreichen luftgestützten Test einer Waffe des Typs AGM-183 ARRW („Air-Launched Rapid Response Weapon“) bekannt. In Fachkreisen gilt sie als Antwort auf die russische Ch-47M2 Kinschal („Dolch“). Die etwa acht Meter lange Luft-Boden-Rakete setzte Russland erstmals am 19. März beim Überfall auf die Ukraine ein. Danach kam sie wiederholt zum Einsatz, so etwa vergangene Woche bei einem Angriff auf die südukrainische Hafenstadt Odessa.

Laut Angaben der amerikanischen Luftwaffe startete ein Langstreckenbomber des Typs Boeing B-52H die ARRW am Samstag über der amerikanischen Westküste im Süden Kaliforniens. Nach der Trennung habe der Raketenmotor gezündet, für die erwartete Dauer gebrannt und die ARRW auf mehr als fünffache Schallgeschwindigkeit beschleunigt. Das sind rund 6174 Kilometer pro Stunde. Die Luftwaffe selbst wertete den Test in ihrer Pressemitteilung als „große Leistung“, man habe „Geschichte geschrieben“ und werde alles tun, um die „bahnbrechende Waffe“ so schnell wie möglich für Kampfeinsätze bereitzustellen.

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Der deutsche Raketenforscher Markus Schiller geht davon aus, dass die ARRW ab 2023 den Streitkräften zugehen werden. „Diese Waffe ist offensichtlich gegen Russland und China gerichtet“, sagte Schiller der F.A.Z am Dienstag, „und die Amerikaner arbeiten mit Hochdruck daran.“ Den Auftrag für die Entwicklung der Hyperschallwaffe erhielt die Firma Lockheed Martin im August 2018. Einige Monate zuvor, im März, hatte Russlands Präsident Wladimir Putin die Kinschal als eine von mehrerer „Superwaffen“ vorgestellt, die in der Lage sein soll, jedwede gegnerische Abwehr zu überwinden.

Im Gegensatz zur Kinschal ist bei der ARRW nicht die Option vorgesehen, sie auch nuklear zu bewaffnen. Die Waffe kann jedoch ebenfalls dazu dienen, hochwertige Ziele wie Führungsstände, Munitionsdepots oder auch Kommunikationseinrichtungen in der Tiefe des gegnerischen Raums präzise auszuschalten oder Truppen an der Front aus der Ferne zu unterstützen. Aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit ist sie selbst für hoch entwickelte Flugabwehrraketensysteme, so gut wie nicht abzufangen.

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In westlichen Fachkreisen wird vermutet, dass die Abwehrsysteme Probleme haben, weil die Hyperschallwaffen rasch zwischen den unterschiedlichen Höhenbereichen fliegen, für die sie eigentlich ausgelegt sind. Dabei soll die ARRW laut Herstellerangaben bis zu zwanzigfache Schallgeschwindigkeit erreichen können. Die Kinschal erreicht laut Angaben des Kremls maximal die Hälfte.

Gegenwärtig arbeitet eine ganze Reihe von Staaten daran, eigene Hyperschallwaffensysteme zu entwickeln, allen voran die Vereinigten Staaten und China. Auch Nordkorea will über sie verfügen. Die NATO listet ferner in einem Papier von 2020 auch Forschungen in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Australien und Indien auf. Teils geht es dabei auch um die Abwehr von Hyperschallwaffen.

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Nicht alle amerikanischen Entwicklungen im Hyperschallbereich gehen so rasch voran wie die ARRW. Im März testeten die USA mit dem „Hypersonic Air-breathing Weapon Concept“ (HAWC) einen neuen Langstrecken-Luft-Boden-Lenkflugkörper. Bis er einsatzfähig wird, dürften nach Ansicht von Markus Schiller noch Jahre vergehen. Den Test hatte das Pentagon seinerzeit zunächst geheimgehalten. Washington wollte zusätzliche Spannungen mit Moskau vermeiden, angesichts des Ukraine-Kriegs und einer unmittelbar bevorstehenden Reise von Präsident Joe Biden nach Europa. Diese Sorge existiert beim ARRW nun offenkundig nicht mehr.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Hemicker, Lorenz
Lorenz Hemicker
Redakteur in der Politik
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