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Krise auf dem Mittelmeer

Malta lässt Gerettete von „Alan Kurdi“ an Land

Von Julia Anton, Libysches Meer
 - 21:26
Flüchtlinge an Bord des deutschen Rettungsschiffs „Alan Kurdi“

Bevor sie die „Alan Kurdi“ verlassen, putzen sich viele der 65 Menschen, die das Schiff am Freitag von einem überfüllten Schlauchboot auf dem Mittel an Bord genommen hat, noch schnell die Zähne. Am Sonntagnachmittag ist plötzlich alles ganz schnell gegangen. Um kurz nach halb fünf erreichte die Einsatzleitung eine Pressemitteilung der maltesischen Regierung, dass es eine Lösung für die 65 aus Seenot Geretteten auf der „Alan Kurdi“ gibt: Sie dürften in Malta an Land und würden von dort umgehend auf andere europäische Länder verteilt.

Rund zwei Stunden später holte ein Militärschiff die Geflüchteten ab. Einsatzleiter Gorden Isler sagte: „Wir sind positiv überrascht, dass es so schnell zu einer Einigung gekommen ist.“ Nach den Erfahrungen aus der Vergangenheit hatte die Besatzung damit gerechnet, dass es wesentlich länger dauern würde, bis die EU-Staaten sich auf eine Verteilung der Geflüchteten einigen würden. Die „Alan Kurdi“ selbst durfte nicht in Malta anlegen.

Am Nachmittag zuvor hatte der Kapitän des deutschen Rettungsschiffs noch mit den Maltesern darüber verhandelt, wo und wann die medizinische Evakuierung von drei Geflüchteten stattfinden soll. Deren Gesundheitszustand hatte sich im Laufe des Sonntags plötzlich verschlechtert. Zwei 16 Jahre alte Jugendliche aus Somalia lagen seit den Mittagsstunden im Hospital des Schiffes und wurden vom Ärzteteam betreut. Zuvor hatten sie über Schmerzen im Bauch geklagt. Laut den Ärzten wiesen sie starke Anzeichen von Erschöpfung auf, beide sind unterernährt. Die einzige Frau an Bord war ebenfalls in Behandlung, ihr Zustand aber stabil.

Salvini plant Strafen von bis zu einer Million Euro

In der Nacht zum Sonntag noch hatten die Malteser das Gesuch der „Alan Kurdi“ nach einem sicheren Hafen abgelehnt, abermals hieß es, man sei nicht zuständig. Die Begründung ist ähnlich wie die der italienischen Behörden, wenn auch weniger genau formuliert: So wären andere Häfen wesentlich näher am Ort der Rettung gewesen, heißt es in dem Schreiben. Gemeint sind wohl Anlaufstellen in Libyen und Tunesien. Beide Länder hatte die Besatzung des Schiffes aber ausgeschlossen: In Libyen herrsche Krieg, und auch in Tunesien könne man die Sicherheit der Menschen nicht garantieren. So gibt es dort etwa keine Möglichkeit, einen Asylantrag zu stellen.

Das deutsche Rettungsschiff war am Freitagmorgen 34 Meilen vor der Küste Libyens auf das überfüllte Schlauchboot aufmerksam geworden. Wie die Besatzung es zuvor geübt hatte, fuhren die Helfer mit zwei Rettungsbooten an die Migranten heran, verteilten Rettungswesten und brachten die 65 Menschen auf die „Alan Kurdi“.

Das Schiff hatte zunächst Kurs auf Lampedusa genommen, denn die italienische Insel ist nach Libyen und Tunesien der nächstgelegene Hafen. Der italienische Innenminister Matteo Salvini hatte die Häfen seines Landes daraufhin jedoch abermals für geschlossen erklärt. Er verweigerte am Wochenende sowohl der „Alan Kurdi“ als auch dem italienischen Segelschiff „Alex“, das mit 54 geretteten Bootsflüchtlingen an Bord völlig überfüllt war, die Einfahrt in die Zwölf-Meilen-Zone und in den Hafen von Lampedusa.

Wenige Wochen zuvor hatte Salvini ein Dekret erlassen, das eine Strafe von bis zu 50.000 Euro vorsieht, wenn Rettungsschiffe unerlaubt in italienische Gewässer einfahren. Die „Alex“ hatte am Samstagnachmittag jedoch den Notstand ausgerufen und war trotz fehlender Genehmigung in den Hafen von Lampedusa eingefahren. Besatzung und Migranten durften das Boot erst nach mehreren Stunden verlassen. Die „Alex“ wurde beschlagnahmt.

Weil Italien damit schon zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit eine Notsituation auf Rettungsschiffen vor seiner Küste heraufbeschworen habe, entschieden sich der Kapitän und die Einsatzleitung der „Alan Kurdi“ wenige Stunden später, nicht länger auf ein Einlenken der italienischen Regierung zu warten. Das Schiff nahm stattdessen Kurs auf Malta. „Italien hat Gesetze verabschiedet, gegen die ein Kapitän verstoßen muss, wenn er sich an internationales Recht halten will. Eine solche Situation gibt es in Malta nicht“, sagte Einsatzleiter Gorden Isler der F.A.Z.

Innenminister Salvini kündigte nun eine Verschärfung des Sicherheitsdekrets an, das im Juni verabschiedet worden war. Danach sollen Verstöße gegen die Hafen- und Gewässersperrung mit Strafen von bis zu einer Million Euro statt wie bisher von 50.000 Euro geahndet werden.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Anton, Julia
Julia Anton
Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET
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