Libanon

Zahlreiche Tote und tausende Verletzte in Beirut

Aktualisiert am 04.08.2020
 - 21:11
Bild der Verwüstung: Umgekippte Autos nach einer Explosion in Beirutzur Bildergalerie
Eine starke Explosion hat die libanesische Hauptstadt Beirut erschüttert. Einige Quellen berichten von zwei Explosionen. Wie es dazu kam, ist bislang unklar.

In Beirut hat eine gewaltige Explosion den Hafen der libanesischen Hauptstadt weitgehend zerstört. Die Druckwelle brachte am Dienstag im Radius von mehreren Kilometern Gebäude zum Einsturz. Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministers gab es mindestens 50 Tote und 2750 Verletzte im Zusammenhang mit der Explosion. Das sagte Gesundheitsminister Hassan Hamad zu Reportern vor einem Krankenhaus. Der Generalsekretär des libanesischen Roten Kreuzes, Georges Kettaneh, berichtete der Deutschen Presse-Agentur ebenfalls von mehr als 2000 Verletzten. Örtliche Medien zeigten Bilder von unter Trümmern feststeckenden Menschen.

Über die Ursache des Unglücks wurde zunächst nur spekuliert. In der Gegend, in der sich die Explosion ereignete, sollen sich große Lagerhallen mit Feuerwerkskörpern befunden haben. Die Wucht der Explosion ließ Fenster bersten und drückte Türen ein, wie auf Fotos in sozialen Netzwerken zu sehen war. Sie sei auch noch in weiter vom Hafen entfernten Stadtteilen zu spüren gewesen und habe vielerorts zu Stromausfällen geführt, hieß es. Über der libanesischen Hauptstadt stieg eine große Rauchwolke auf. In den Straßen waren ausgebrannte Autos zu sehen, viele mit aufgeblasenen Airbags.

Der libanesische Gesundheitsminister Hamad Hassan äußerte, eine „sehr große Zahl von Menschen“ sei durch die Explosion verletzt worden. Der Sachschaden sei groß. Das libanesische Rote Kreuz teilte auf Twitter mit, mehr als 30 Teams seien im Einsatz, um die Verletzten zu versorgen. Auch die libanesische Armee half dabei, Verletzte in Krankenhäuser zu bringen. Vor dem Clemenceau-Krankenhaus warteten Dutzende Verletzte auf Einlass, darunter mehrere Kinder, berichtete die Nachrichtenagentur AFP.

Viele Menschen waren auf den Straßen unterwegs

Laut dem britischen „Guardian“ sagte Gesundheitsminister Hassan vor Journalisten zudem, ein Schiff mit Feuerwerkskörpern sei im Hafen explodiert. Genauere Angaben dazu machte er demnach aber nicht. Ausgeschlossen wurde zunächst auch nicht, dass gelagerte Waffen explodiert sein könnten. Denkbar ist zudem, dass es sich um einen politisch motivierten Anschlag handeln könnte.

Nur wenige Kilometer entfernt war am 14. Februar 2005 der frühere libanesische Ministerpräsident Rafik Hariri durch einen Anschlag getötet worden, hinter dem Syrien und die Hizbullah vermutet werden. Vor einem Sondergericht in Den Haag wird am Freitag das Urteil im Prozess zu dem Anschlag erwartet. Vier angebliche Mitglieder der schiitischen Hizbullah-Miliz sind wegen des Selbstmordanschlags auf den sunnitischen Politiker angeklagt, bei dem 21 weitere Menschen getötet wurden.

Die Explosion ereignete sich in der abendlichen Stoßzeit am ersten Tag nach einem fünf Tage dauernden Lockdown. Da ein weiterer Lockdown bevorstand, waren auf den Straßen viele Menschen unterwegs. Nur zwei Kilometer vom Ort der Explosion befinden sich das Parlament und das historische Zentrum Beiruts, das nach dem Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 wiederaufgebaut wurde. Dort befand sich in den vergangenen Monaten das Zentrum der Proteste gegen die korrupte politische Klasse des Landes.

Vor der Explosion hatten Protestierende am Dienstag aus Wut über Stromabschaltungen versucht, das Energieministerium zu stürmen. Vor dem Gebäude kam es zu Rangeleien mit Einsatzkräften und die Demonstranten kündigten eine Sitzblockade an.

Schwere Wirtschafts- und Finanzkrise

Der Libanon steckt in einer schweren Wirtschafts- und Finanzkrise. Fast die Hälfte der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. Seit Mitte Juni befindet sich das libanesische Pfund im freien Fall, die Arbeitslosenrate steigt. Zudem kam es zuletzt an der Südgrenze des Landes zu wachsenden Spannungen zwischen der militanten Hizbullah-Miliz und Israel.

Ende Juli hatte die israelische Armee erklärt, einen „Infiltrationsversuch“ im israelisch-libanesischen Grenzgebiet vereitelt zu haben. Demnach hatte eine Gruppe aus bewaffneten Männern die sogenannte Blaue Linie im umkämpften Berg-Dow-Gebiet in den Golanhöhen überquert. Israel machte die radikalislamische Hizbullah-Miliz für den Vorfall verantwortlich, der Libanon warf Israel seinerseits eine „gefährliche Eskalation“ vor. Dem „Guardian“ zufolge wollte sich ein Sprecher des israelischen Militärs am Dienstag zunächst nicht zu der Explosion in Beirut äußern.

Demonstranten blockieren eine Straße in Beirut, setzen Reifen und Holz in Flammen.
Libanon
Überall Vorboten des Untergangs
Quelle: Her./alri./dpa/AP/AFP/Reuters
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