Klimagipfel in Paris

Macron warnt vor Artensterben

Von Michaela Wiegel, Paris
11.01.2021
, 16:26
Der französische Präsident Emmanuel Macron am Montag beim Klimagipfel „One Planet Summit“
Auf dem Klimagipfel in Paris geht es nicht zuletzt um den Zusammenhang von Umweltzerstörung und Pandemien. Frankreichs Präsident Macron und Bundeskanzlerin Merkel fordern einen besseren Schutz der Lebensgrundlagen.
ANZEIGE

Mit einer eindringlichen Warnung hat Emmanuel Macron den Klimagipfel „One Planet Summit“ in Paris am Montag eröffnet: „Wenn wir nicht schnell etwas unternehmen, werden eine Million Arten aussterben.“ Der französische Präsident hat für den Gipfel während der Pandemie bewusst den Schwerpunkt Artenschutz gewählt. Denn der Verlust der Biodiversität, Umweltzerstörung und Klimawandel tragen dazu bei, dass Krankheitsausbrüche pandemischen Ausmaßes immer wahrscheinlicher werden.

ANZEIGE

Das Risiko der Zoonose – Krankheiten, die zwischen Tier und Mensch übertragen werden – steigt mit der Zerstörung von Ökosystemen. Die französische Umweltministerin Barbara Pompili warnte am Montag im Radiosender France Info: „Umweltzerstörung kann Pandemien begünstigen.“ Deshalb sei das Gipfeltreffen in Paris so wichtig.

Bundeskanzlerin Angela Merkel übernahm die Auftaktansprache für die Diskussionsrunde über den Schutz des Regenwaldes, Artenvielfalt und Gesundheit. Sie pflichtete Macron per Videoübertragung bei: „Es führt kein Weg daran vorbei, dass wir jetzt wirksame Maßnahmen zum Schutz unserer Lebensgrundlagen ergreifen.“ Fortschritte beim Artenschutz dienten der Prävention von Pandemien. Der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, führte im Anschluss den Zusammenhang zwischen Zoonosen und Umweltzerstörung weiter aus.

Prinz Charles rief bei der Veranstaltung in Paris Unternehmen aus aller Welt zu Investitionen auf und stellte sein Projekt „Terra Carta“ vor. Wohlstand in der kommenden Dekade müsse in Einklang mit der Natur und dem Planeten gebracht werden, sagte der britische Thronfolger, der als Gastredner per Video zugeschaltet war. Mit der Initiative will der Prinz von Wales bis zum Jahr 2022 etwa 8,1 Milliarden Euro Investitionen für grüne Projekte zusammenbringen. Unternehmen wie AstraZeneca und HSBC, aber auch BP und der Flughafen Heathrow haben bereits ihre Unterstützung angekündigt.

Macron spricht beim Klimagipfel „One Planet Summit“ in Paris am Montag.
Macron spricht beim Klimagipfel „One Planet Summit“ in Paris am Montag. Bild: Reuters

Die „One Planet“-Gipfeltreffen gehen auf den französischen Präsidenten zurück, der Kritik des amerikanischen Präsidenten Donald Trump am Pariser Klimaabkommen 2017 den Spruch entgegenstellte: „Make our planet great again.“ In enger Abstimmung mit der Weltbank und den Vereinten Nationen rief Macron daraufhin die Gipfelbegegnung ins Leben. Die Bundeskanzlerin verfolgte den Aktivismus des Präsidenten zunächst mit Skepsis, zum Auftaktgipfel im Dezember 2017 in Paris entsandte sie die Umweltministerin.

ANZEIGE

Die Nachfolgegipfel fanden 2018 in New York und 2019 in Nairobi statt. Macron gelang es, einflussreiche Unternehmenschefs wie Bill Gates, Larry Fink oder Michael Bloomberg für seine Initiative zu gewinnen. Ursprünglich war der vierte Gipfel im Sommer 2020 in Marseille geplant, musste aber wegen der Pandemie verschoben werden. Den Blick fest gen Süden richtete Macron dennoch, auch wenn er die wenigen anwesenden Gäste im Elysée-Palast empfing.

ANZEIGE

So will der Franzose das ins Stocken geratene Umweltprojekt einer Großen Grünen Mauer in Afrika retten. „In den vergangenen 15 Jahren hat das Vorhaben der Großen Grünen Mauer Höhen und Tiefen erlebt“, sagte Macron. Auch Europa trage für die Schwierigkeiten Verantwortung, es sei nicht genug Geld zur Verfügung gestellt worden und der politische Wille habe gefehlt. Mit neuen Milliarden-Investitionen solle sich das fortan ändern. Wie ein grünes Band sollen über tausende Kilometer Bäume in der Sahelzone gepflanzt werden. Die grüne Mauer soll von Dakar bis Dschibuti reichen.

Öffnen
Kampf gegen die Wüstenbildung
Der grüne Wall von Afrika

Bis zum Jahr 2030 sollen 100 Millionen Hektar derzeit unfruchtbares Land in der Sahelregion wiederhergestellt, 250 Millionen Tonnen Kohlenstoff gebunden und zehn Millionen grüne Arbeitsplätze geschaffen werden. Dies soll auch die Ausbreitung der Sahara aufhalten und die Wüstenbildung begrenzen.

Macron sagte, die grüne Mauer biete wirksame Hilfe gegen Hungernöte und Dürre. Die Sahelzone ist besonders vom Klimawandel betroffen. Mindestens ein Drittel der erforderlichen Mittel habe er in Paris mobilisieren wollen. „Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass wir dies und sogar noch mehr erreicht haben“, sagte Macron. Frankreich sieht sich als Schutzmacht der früheren Kolonien in Westafrika. Es hat immer mehr Schwierigkeiten, die Lage im Sahel-Gebiet militärisch zu kontrollieren. Unter dem Einfluss der Bundesregierung setzt Macron deshalb verstärkt auf Programme nachhaltiger Entwicklungshilfe.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Wiegel, Michaela
Michaela Wiegel
Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.
Twitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
ANZEIGE