FAZ plus ArtikelMoskau und der Fall Nawalnyj

Ein Gift für mehr als nur einen Mord

Von Reinhard Veser
03.09.2020
, 19:59
Die Theorie, Aleksej Nawalnyj sei womöglich in Deutschland vergiftet worden, ist in Russland schon verbreitet worden, bevor der Einsatz von Nowitschok bekannt wurde. Wie Moskau versucht, den Verdacht von sich zu lenken – eine Analyse.

In einem Punkt unterscheidet sich Moskaus Reaktion auf die Nachricht, Aleksej Nawalnyj sei mit Nowitschok vergiftet worden, grundsätzlich von seiner Verteidigungslinie nach dem Giftanschlag auf den früheren russischen Agenten Sergej Skripal in England vor zwei Jahren. Damals versuchten russische Politiker und Propagandisten der Staatsmedien, Verwirrung um den Stoff selbst zu stiften. Sie behaupteten, ein Nervengift namens Nowitschok sei in der Sowjetunion oder Russland nie entwickelt worden.

Und selbst wenn – es könne sich gar nicht mehr im Besitz Russlands befinden, denn schließlich hatte die Organisation für das Verbot chemischer Waffen ja 2017 bestätigt, dass es seine Chemiewaffen vollständig zerstört habe. Das russische Außenministerium brachte es damals fertig, einerseits die Existenz von Nowitschok zu leugnen und andererseits zu behaupten, die Vereinigten Staaten hätten es beim Abbau eines sowjetischen Chemiewaffenlabors im heutigen Usbekistan an sich genommen.

Testen Sie unsere Angebote.
Jetzt weiterlesen.

Testen Sie unsere Angebote.
F.A.Z. PLUS:

  FAZ.NET komplett

F.A.Z. PLUS:

  Sonntagszeitung plus

F.A.Z. PLUS:

  F.A.Z. digital

Diesen und viele weitere Artikel lesen Sie exklusiv mit F+
Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Veser, Reinhard
Reinhard Veser
Redakteur in der Politik.
Twitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot