FAZ plus ArtikelProteste in Belarus

Droht eine Intervention Moskaus?

Von Friedrich Schmidt
Aktualisiert am 14.08.2020
 - 22:23
Präsident Wladimir Putin nimmt am Freitag von seiner Residenz Nowo-Ogarjowo aus an einer Kabinettssitzung teil.
Für den Kreml ist die Lage in Belarus ambivalent – das zeigen auch die Reaktionen aus Moskau. Die große Frage ist, was Putin macht, wenn Lukaschenka ernstlich gefährdet ist.

In Russland wird das Geschehen in Belarus besonders aufmerksam verfolgt. Für den Kreml ist die Lage so ambivalent wie Präsident Wladimir Putins Glückwunschbotschaft an Alexandr Lukaschenka: Sie gratuliert zu dessen angeblicher Wiederwahl, fordert aber zugleich eine „Vertiefung der Zusammenarbeit“ im Unionsstaat beider Länder und mehr supranationale „Integration“. Unmut im Kreml über die Widerborstigkeit Lukaschenkas, der seine politische und finanzielle Abhängigkeit von Putin mit Avancen gen Westen verringern wollte, dürfte erklären, warum die Einlassungen der Moskauer Machtvertreter zum Geschehen in Minsk vielschichtiger sind als jemals sonst.

Angesichts der ersten Proteste am Sonntagabend war noch recht pauschal von einem „Majdan“ die Rede, einem Umsturz nach ukrainischem Muster, den es zu unterbinden gelte. Das Schlagwort steht in Moskau für angeblich westlich angezettelte Revolutionen, die Russland schaden sollten. Auch jetzt ist die „Majdan“-Linie zu Minsk noch präsent. So fordert der Duma-Abgeordnete Leonid Kalaschnikow von den handzahm-oppositionellen Kommunisten Lukaschenka auf, „hart“ durchzugreifen, sonst drohe ein „Majdan“. Etliche russische Staatsfernsehsender, die auch in Belarus gesehen werden, haben Geschichten des Minsker Regimes über angeblich verhaftete „Koordinatoren der Massenunruhen“ übernommen und die Lage so dargestellt, als gehe Gewalt nur von den Demonstranten aus.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt/ Schmidt, Friedrich
Friedrich Schmidt
Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.
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