IS-Angriff auf eingekesselte Yeziden

Deutsche im Sindschar-Gebirge fordern militärische Hilfe

Von Rainer Hermann
22.10.2014
, 22:33
Mit Panzern gehen die Kämpfer des IS (Foto: im Sommer in der Provinz Rakka) gegen die Yeziden im Sindschargebirge vor
Die Kämpfer des „Islamischen Staats“ setzen den eingekesselten Yeziden im Sindschar-Gebirge nach. Unter ihnen zehn Deutsche. Sie fürchten den Tod aller 10.000 Eingeschlossenen – und beklagen fehlende Luftunterstützung.

Während die Welt auf Kobane blickt, zieht der sogenannte Islamische Staat (IS) um die Yeziden vom nordirakischen Sindschar-Gebirge die Schlinge immer enger. Nach Angaben von yezidischen Aktivisten haben die IS-Krieger in den vergangenen drei Tagen alle Dörfer um das Gebirgsmassiv eingenommen. Nun setzen sie den Zivilisten und bewaffneten Selbstverteidigungseinheiten nach, die in das Gebirgsmassiv fliehen. Den Aktivisten zufolge sind dort mehr als 10.000 Yeziden vom IS umzingelt.

Der IS habe in den vergangenen Tagen Verstärkung bekommen und greife den Sindschar-Berg nun von allen Seiten gleichzeitig an. Unter den bedrohten Yeziden befinden sich zehn deutsche Staatsbürger. Sie fordern die Staatengemeinschaft zum Handeln auf, da sie sonst einen Genozid befürchten. Der IS sieht Yeziden als Ungläubige, die die Wahl haben, den Islam des IS anzunehmen oder getötet zu werden. Eine kleine Gruppe von bewaffneten Yeziden hielt noch am Mittwochnachmittag einen Teil des Heiligtuns Scherfedin. Zuvor hatte es geheißen, das Heiligtum sei von der IS bereits erobert worden.

Die Yeziden beklagen, dass zwar amerikanische Kampfflugzeuge über das Gebirge flögen, aber nicht Stellungen des IS bombardierten. Die Hubschrauber der irakischen Armee griffen ebenfalls nicht ein, möglicherweise wegen des anhaltenden Nebels, der sich indessen langsam lichtet. Auch gehen die seit Tagen anhaltenden starken Regenfälle zurück. Viele der Umzingelten waren erst vor drei Wochen aus den Flüchtlingslagern in den kurdischen Städten Dohuk und Arbil in ihre Dörfer zurückgekommen, da sich die Lage zu beruhigen schien. Sie waren Ende August dorthin geflüchtet, als der IS zu einem Eroberungszug um Sindschar angesetzt hatte.

hemickerIm August hatten sich noch viele Yeziden über einen Korridor in die syrische Kurdenregion Qamishli in Sicherheit beringen können. Vor dem jüngsten Angriff hat der IS diesen Korridor geschlossen, so das diese Fluchtalternative nicht mehr besteht.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Hermann, Rainer
Rainer Hermann
Redakteur in der Politik.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot