„Islamischer Staat“

600 Tote bei Kämpfen um Ramadi

18.05.2015
, 14:57
Zivilisten in Ramadi
Bei Gefechten um die westirakische Stadt Ramadi sind Hunderte Menschen ums Leben gekommen. Schiitische Milizen bereiten sich auf die Rückeroberung der Stadt vor. In der Antikenstadt Palmyra halten syrische Truppen noch die Stellung gegen die Dschihadisten.

Bei den Kämpfen zwischen der IS-Terrormiliz und der irakischen Armee um die westirakische Provinzhauptstadt Ramadi sind in den vergangenen Tagen rund 600 Menschen ums Leben gekommen. Unter den Opfern seien auch Frauen und Kinder, sagte der Vize-Vorsitzende des Rates der Provinz Al-Anbar, Falich al-Issawi, am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Etwa 7000 Menschen seien zudem seit Freitag vor der Gewalt aus der Region geflohen.

Die sunnitische Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte Ramadi rund 110 Kilometer westlich von Bagdad am vergangenen Wochenende nach heftigen Kämpfen vollständig unter ihre Kontrolle gebracht. Iraks Armee will die Stadt nun mit Hilfe schiitischer Milizen zurückerobern. Dazu haben rund 3000 schiitische Kämpfer einen Militärstützpunkt östlich von Ramadi erreicht. Der Einsatz schiitischer Kämpfer ist höchst umstritten, da in der Provinz Sunniten leben und Übergriffe durch die Schiiten befürchtet werden.

Im Irak mussten die Truppen des Landes und die Vereinigten Staaten eine herbe Niederlage einstecken. Dem IS ist es nach tagelangen Kämpfen gelungen, Ramadi vollständig einzunehmen. Nach der Eroberung der westirakischen Stadt hat die Terrormiliz Dutzende ihrer Anhänger aus einem Militärgefängnis freigelassen. Aus Kreisen der irakischen Armee hieß es am Montag zudem, die Extremisten hätten bei ihrem Vormarsch eine große Zahl an Waffen, Panzern und anderen Fahrzeugen erobert, die das Militär zurückgelassen habe.

Die IS-Kämpfer hätten die Stadt rund 110 Kilometer westlich von Bagdad am Sonntag vollständig unter ihre Kontrolle gebracht, bestätigten irakische Sicherheitskreise. Der Vorsitzende des Provinzrates, Sabach Karchut, bestätigte der Deutschen Presse-Agentur am Montag, die Extremisten hätten auf etlichen Gebäuden Ramadis ihre Flagge gehisst. Hunderte Familien seien aus Angst vor Massakern auf der Flucht.

Schiitische Milizen planen Rückeroberung

Aus Militärkreisen hieß es, schiitische Milizen seien jetzt zur Verstärkung nach Ramadi geschickt worden. Der irakische Ministerpräsident Haider al Abadi, die Vereinigten Staaten und die Regierung der Provinz Anbar hatten beim Kampf um Ramadi vor allem auf die örtlichen Streitkräfte gesetzt und sich skeptisch gegenüber einer Unterstützung durch schiitische Milizen gezeigt, die vom Iran unterstützt werden.

Einwohner fliehen aus der Stadt Ramadi
Einwohner fliehen aus der Stadt Ramadi im Westen Iraks - und mit ihnen die irakische Armee. Bild: AP

Schiitische Milizenführer sagten am Montag, die vergangenen Tage hätten gezeigt, dass die Regierung es sich nicht leisten könne, auf Unterstützung durch den Truppenverband Hasched al Schaabi zu verzichten, dem Milizengruppen und freiwillige Kämpfer angehören. Verschiedene Milizen kündigten am Montag an, bereits Einheiten in Anbar zusammengezogen zu haben und bereit zum Sturm auf Ramadi zu sein, um die Stadt vom IS zu befreien.

Anhaltende Gefechte um Antikenstadt Palmyra

Unterdessen gehen die heftigen Kämpfe zwischen syrischen Regimetruppen und der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) um die historische Oasenstadt Palmyra in Zentralsyrien weiter. Bei einem Angriff der Sunnitenmiliz mit Mörsergranaten seien mindestens fünf Zivilisten getötet worden, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Montag. Auf beiden Seiten kamen demnach Kämpfer ums Leben. Die Beobachtungsstelle, deren Angaben nicht von unabhängiger Seite überprüft werden können, stützt sich auf ein dichtes Netzwerk von Informanten in ganz Syrien.

Syriens Luftwaffe habe mindestens 14 Angriffe auf IS-Stellungen geflogen, hieß es weiter. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, die Armee und verbündete Kräfte hätten einen IS-Angriff abgewehrt und dem Gegner große Verluste zugefügt.

Quelle: dpa/AFP
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