Inhaftierter Kreml-Kritiker

Nawalnyj beklagt Verschlechterung seines Gesundheitszustands

05.04.2021
, 20:40
Man habe ihm 38,1 Grad Fieber sowie „starken Husten“ attestiert, schrieb Alexej Nawalnyj auf Instagram. Seinen Hungerstreik will der in einem Straflager inhaftierte Kreml-Kritiker fortsetzen.

Der in einem russischen Straflager inhaftierte Kreml-Kritiker Alexej Nawalnyj leidet nach eigenen Angaben unter starkem Husten und Fieber, setzt seinen Hungerstreik aber fort. „Ich zitiere die offiziellen Werte der heutigen Temperaturmessung: ’Nawalnyj A.A., starker Husten, Temperatur 38,1 (Grad Celsius)“, schrieb Nawalnyj am Montag im Onlinenetzwerk Instagram. „PS: Ich setzte meinen Hungerstreik natürlich fort.“

Der 44 Jahre alte Politiker hatte seinen Hungerstreik am vergangenen Mittwoch begonnen. Er will damit nach eigenen Angaben erreichen, dass ihn ein Arzt besuchen darf, um ihn wegen starker Rücken- und Beinschmerzen zu behandeln. „Ich habe ein Recht darauf, dass ein Arzt zu mir kommt und dass ich Medikamente erhalte“, schrieb Nawalnyj am Mittwoch auf Instagram. Ein Gefängnisarzt habe ihm bisher nur Schmerzmittel verordnet.

Gefängnisbehörde weist Vorwürfe zurück

Nawalnyjs Mitarbeiter hatten sich zuletzt besorgt über dessen Gesundheitszustand gezeigt. Dieser leidet nach eigenen Angaben unter einem eingeklemmten Nerv im Rücken. Wegen unzureichender Behandlung drohe ihm deshalb der Verlust seines rechten Beins. Auch im linken Bein habe er allmählich kein Gefühl mehr.

Nach Angaben seiner Mitarbeiter hat Nawalnyj schon vor seinem Hungerstreik in der Haft stark abgenommen. Er verlor demnach seit seiner Ankunft in dem Straflager acht Kilogramm an Gewicht. Sein Team führte dies auf Schlafentzug zurück. Nawalnyj wird nach eigenen Angaben acht Mal pro Nacht von den Gefängniswärtern geweckt.

Die Gefängnisbehörde hatte Nawalnyjs Vorwürfe zurückgewiesen. Dieser erhalte „jegliche notwendige medizinische Hilfe“. Andere Häftlinge fühlten sich durch die nächtlichen Kontrollen zudem nicht gestört.

Zweieinhalb Jahre Straflager

Nawalnyj, der als der größte innenpolitische Widersacher Putins gilt, war im August in Russland Opfer eines Giftanschlags geworden, für den er den russischen Geheimdienst und den Kreml verantwortlich macht. Er wurde nach Deutschland geflogen und in der Berliner Charité behandelt.

Unmittelbar nach seiner Rückkehr nach Moskau im Januar wurde Nawalnyj dann festgenommen. Im Februar wurde er in einem international kritisierten Verfahren wegen angeblicher Verstöße gegen seine Bewährungsauflagen zu mehr als zweieinhalb Jahren Haft in einem Straflager verurteilt. Der Oppositionelle ist in der berüchtigten Strafkolonie Nr. 2 in der Kleinstadt Pokrow inhaftiert.

Quelle: AFP
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