Russische Opposition

Nemzows letzte Enthüllung

12.05.2015
, 18:09
Der Oppositionelle Ilja Jaschin stellte in Moskau Nemzows letzten Enthüllungsbericht vor.
Freunde des ermordeten Oppositionellen Boris Nemzow stellten in Moskau seinen letzten Enthüllungsbericht vor. Der Kreml schweigt zu den Ergebnissen.
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Die Ermordung Boris Nemzows am 27. Februar war ein Schock für alle Regierungsgegner in Russland. Er galt als eine der Gallionsfiguren russischer Meinungsfreiheit. Vor seinem Tod arbeitete er an einem Bericht, der den Einsatz russischer Soldaten im Ukraine-Konflikt beleuchtet.

Diesen Bericht mit dem Titel „Putin - Krieg“ haben Freunde Nemzows heute in Moskau vorgestellt. Darin heißt es, dass mindestens 220 russische Soldaten im Krieg in der Ostukraine ums Leben gekommen sind. Außerdem habe die Unterstützung der pro-russischen Separatisten Russland rund 890 Millionen Euro gekostet. Neben offenen Quelle, von denen Nemzow in seinen vergangenen Enthüllungsberichten Gebrauch gemacht hatte, zitiert der Bericht einige „Schlüsselzeugen“. Das sagte der Oppositionelle und Nemzow-Vertraute Ilja Jaschin.

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Erste Grenzübertritte im August

Laut Nemzows Recherchen gingen im August 2014 erstmals russische Soldaten über die Grenze in die Ukraine. Mit deren Hilfe gelang es den Separatisten, die ukrainische Armee zurückzuschlagen. Außerdem sollen im Januar und Februar diesen Jahres weitere Soldaten in die Ukraine eingedrungen sein, um den ukrainischen Präsidenten Petro Poroshenko zu Verhandlungen zu drängen. Auch bei der Schlacht um die Stadt Debalzewe sollen russische Soldaten gekämpft haben. Ein Panzerschütze hatte davon bereits in einem Interview berichtet.

Bis heute leugnet der Kreml, dass russische Soldaten auf Befehl der Regierung in der Ost-Ukraine im Einsatz sind. Und das obwohl es mittlerweile mehrere Hinweise gibt, die dafür sprechen, wie aus einem Interview mit der Vorsitzenden des Komitees der Soldatenmütter hervorging. Ein Sprecher Wladimir Putins wollte den Nemzow-Bericht nicht kommentieren.

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Angehörige toter Soldaten eingeschüchtert

Die russischen Behörden hatten Nemzows Wohnung nach seinem Tod durchsucht. Dabei beschlagnahmten sie jegliche Dokumente und Computer. Trotzdem gelang es Jaschin und weiteren Aktivisten, den Bericht zu vervollständigen. Das berichtete der „Guardian“.

Jaschin war unter anderem nach Iwanowo, östlich von Moskau, gereist. Dort wollte er mit Angehörigen von Falschirmjägern sprechen, die bei Gefechten in der Ukraine ums Leben gekommen sein sollen. Die Familien hatten Nemzow vor seinem Tod kontaktiert. Jaschin fand sie nach dem Nemzows Tod allerdings extrem eingeschüchtert vor. Keiner der Angehörigen wollte mit ihm reden.

Nemzows Unterstützer wollen zunächst 3000 Kopien des Berichts verteilen. Eine Spendenaktion soll es ermöglichen, weitere Kopien zu drucken und unter die Leute zu bringen.

Der Mord an Nemzow ist bislang nicht aufgeklärt. Zwar nahmen russische Sicherheitsbehörden mehrere Männer fest, darunter den ehemaligen Kommandeur einer tschetschenischen Spezialeinheit, Saur Dadajew. Doch nach einem Geständnis Dadajews wurde bekannt, dass er möglicherweise ein Alibi für den Tatzeitraum hat. Ein Mitglied des Menschenrechtsrat beim Kreml vermutet, Dadajew habe unter Folter gestanden.

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Quelle: nwes. / dpa / afp
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