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Nordkorea-Kommentar

Kim beugt sich dem Druck

Von Nikolas Busse
 - 19:30

In dieser Zeit der globalen Krisen und Umbrüche ist es eine außerordentlich gute Nachricht, dass die Vereinigten Staaten und Nordkorea zu Gesprächen auf höchster Ebene bereit sind. Der Konflikt auf der Koreanischen Halbinsel ist einer der gefährlichsten der Weltpolitik, und zwar nicht nur wegen der potentiell desaströsen Folgen einer militärischen Auseinandersetzung.

Wie er ausgeht, wird große Auswirkungen darauf haben, welche Rolle Atomwaffen im 21. Jahrhundert spielen: Gelingt die Entwaffnung Nordkoreas, dann sinkt der Anreiz für andere Schwellen- und Entwicklungsländer, sich ebenfalls Atombomben zuzulegen. Scheitert sie, dann werden sich noch mehr Staaten in Asien oder anderswo für diese ultimative Waffe interessieren. Immerhin, das ist nun erwiesen, kann man mit ihr sogar einen amerikanischen Präsidenten an den Verhandlungstisch bringen.

Trump tritt in diesem Konflikt in einer ungewohnten Rolle auf. Im Welthandel oder beim Klimaschutz versteht er sich als Zerstörer der bestehenden globalen Verhältnisse. Bei der Atomrüstung will er dagegen die herrschende Ordnung bewahren, die seit vielen Jahrzehnten eine Handvoll Nuklearmächte privilegiert. Amerika könnte eigentlich auch im Fall Nordkoreas auf die nukleare Abschreckung vertrauen; es spricht nichts dafür, dass man deren Logik in Pjöngjang nicht versteht.

Aber wie viele seiner Vorgänger will Trump einfach nicht hinnehmen, dass ein weiterer Staat das amerikanische Territorium nuklear bedrohen kann. Die harte Linie, die er deswegen seit seinem Amtsantritt gegen Kim Jong-un fährt, trägt nun Früchte: Ganz offenbar hat die jüngste Mischung aus Sanktionen und Drohungen Eindruck auf den Diktator gemacht. Sollte er seine Raketentests jetzt wirklich einstellen, wäre das schon einmal ein großer Fortschritt.

Die entscheidende Frage bleibt allerdings, was Kim im Schilde führt. Ließe er sich tatsächlich auf eine Denuklearisierung ein, dann würde er seinen größten Trumpf aus der Hand geben. Das wäre eigentlich nur vorstellbar im Austausch gegen eine wie auch immer geartete Überlebensgarantie für das Regime. Oder will Kim in Wirklichkeit nur Geld herausschlagen und Zeit gewinnen, um sein Atomprogramm doch weiter voranzutreiben? So haben das schon sein Großvater und sein Vater gemacht. Trump ist noch lange nicht am Ziel.

Quelle: F.A.Z.
Nikolas Busse
Verantwortlicher Redakteur für die Frankfurter Allgemeine Woche und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik (F.A.Z.).
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