Olympische Spiele in Tokio

Nordkorea nimmt nicht an Olympischen Spielen teil

Von Friederike Böge, Peking
06.04.2021
, 10:06
Das Sportministerium in Pjöngjang begründet die Absage mit der Corona-Pandemie. Damit zerschlagen sich Südkoreas Hoffnungen auf informelle Gespräche am Rande der Wettkämpfe.

Nordkorea hat am Dienstag bekanntgegeben, dass es keine Sportler zu den Olympischen Sommerspielen im Juli nach Tokio entsenden wird. Die Athleten sollten auf diese Weise vor Corona geschützt werden, heißt es auf der Website des Sportministeriums zur Begründung. Der Beschluss sei bei einer Sitzung des nationalen Olympischen Komitees am 25. März gefallen. Zugleich wird in dem Bericht hervorgehoben, dass das Zentralkomitee der Arbeiterpartei das Olympische Komitee angewiesen habe, mehr Medaillen für Nordkorea bei internationalen Sportveranstaltungen zu gewinnen.

In Südkorea wurde die Nachricht mit Enttäuschung aufgenommen. Die Regierung in Seoul hatte gehofft, dass sie am Rande der Sportwettkämpfe informelle Gespräche mit nordkoreanischen Funktionären führen könne. In Seoul hat man die Winterspiele von Pyeongchang im Jahr 2018 vor Augen, die Nord- und Südkorea für eine diplomatische Annäherung nutzten. Die Sportler beider Länder waren damals bei der Eröffnungszeremonie gemeinsam unter dem Namen „Korea“ ins Stadion einmarschiert und hatten ein gemeinsames Frauen-Eishockey-Team aufgestellt.

Die Schwester des Machthabers Kim Jong-un war damals Teil der nordkoreanischen Delegation. Am Rande der Spiele hatte sie dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in eine Einladung ihres Bruders übermittelt. Moon sieht nun seine Chancen schwinden, vor der nächsten Präsidentenwahl im kommenden Jahr den Dialog noch einmal in Gang zu bringen.

Pjöngjang hat allerdings zuletzt wenig Interesse an einer abermaligen Annäherung erkennen lassen. Im Juni 2020 hatte es das Verbindungsbüro beider Seiten in Kaesong gesprengt. Auch Kontaktversuche der neuen amerikanischen Regierung hat Nordkorea bislang ins Leere laufen lassen.

Angesichts der Corona-Pandemie hat Nordkorea sich fast vollständig von der Außenwelt isoliert. Die meisten Diplomaten und Mitarbeiter internationaler Organisationen haben das Land wegen der extrem strikten Präventionsmaßnahmen verlassen.

Machthaber Kim Jong-un ist seit dem Beginn der Pandemie nur selten in der Öffentlichkeit aufgetreten. Offiziell beziffert Pjöngjang die Zahl der Infektionen im Land auf null, was allerdings von Fachleuten als höchst unwahrscheinlich betrachtet wird. Einer Verbreitung des Virus wäre das Gesundheitssystem nicht gewachsen.

Zuletzt hatte Nordkorea 1988 seine Teilnahme an den Olympischen Spielen abgesagt. Damals fanden die Wettkämpfe in der südkoreanischen Hauptstadt statt.

Quelle: FAZ.NET
Friederike Böge
Friederike Böge
Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.
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