Winterspiele 2022

Peking boykottieren?

EIN KOMMENTAR Von Peter Sturm
07.04.2021
, 22:42
Wenn sich genügend Unterstützer fänden, könnte ein Boykott Pekings Propagandashow 2022 verderben. Aber die eigentlich Schuldigen an dem Konflikt sitzen im Internationalen Olympischen Komitee.

Der Boykott der Olympischen Spiele 1980 in Moskau hat keinen sowjetischen Soldaten aus Afghanistan vertrieben. Aber er hat dem sowjetischen Regime die große Propagandashow ziemlich verdorben. Entsprechend würde ein Boykott der Winterspiele 2022 in Peking keinem Uiguren zur Freiheit verhelfen.

Aber China ist noch stärker auf Prestige bedacht, als es die Sowjetunion war. Deshalb fiel die Reaktion auf amerikanische Überlegungen, mit Verbündeten über einen Boykott zu sprechen, auch überaus heftig aus. Wenn sich genügend Unterstützer fänden, könnte ein Boykott ein starkes Signal der Missbilligung senden.

Was Thomas Bach nicht sehen will

Sportler werden von der Idee nicht viel halten. Das kann man verstehen, sind Olympische Spiele doch der Höhepunkt einer an Entbehrungen reichen Sportkarriere. Ebenso vorhersehbar wie die Reaktion aus Peking war die des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Dessen Präsident Thomas Bach hat das Trauma Moskau 1980 bis heute nicht verwunden.

Aber er und seine Organisation sind die eigentlich Schuldigen, dass es jetzt eine Boykottdebatte gibt. Es war schließlich das IOC, das die Spiele nach Peking vergeben hat. Bei solchen Entscheidungen wird von der positiven Wirkung solcher Ereignisse auf die Verhältnisse im Gastgeberland geschwärmt. Rechtsanwalt Bach weiß, wie die Realität aussieht. Aber niemand übertrifft ihn darin, Unerfreuliches nicht sehen zu wollen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Sturm, Peter
Peter Sturm
Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.
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