FAZ plus ArtikelPandemie und Premierminister

Hat Boris Johnson 38 Tage verschenkt?

Von Jochen Buchsteiner, London
06.05.2020
, 18:10
Die britische Opposition wirft Boris Johnson vor, er habe zu spät auf die Corona-Pandemie reagiert und sei mitverantwortlich für die europaweit höchste Totenzahl. Doch der Premierminister will von internationalen Vergleichen nichts wissen.

Wochenlang fürchteten die Briten, dass sie irgendwann zum traurigen Rekordhalter in Europa werden könnten. Dann passierte es ganz schnell. Überraschende Nachträge zur Statistik ließen die Zahl der Corona-Toten am Dienstag nach oben schnellen und stellten erstmals die Bilanz Italiens in den Schatten. Mit mehr als 32.000 Toten wird das Vereinigte Königreich jetzt nur noch von den Vereinigten Staaten (mehr als 72.000) übertroffen. „Wie, um Himmels willen, konnte es dazu kommen?“, fragte Labour-Chef Keir Starmer den Premierminister am Mittwoch im Unterhaus.

In der Regierung will man von internationalen Vergleichen am liebsten nichts hören. Zu diesem Zeitpunkt ließen sich aus ihnen „keine Schlussfolgerungen ziehen“, antwortete Boris Johnson. Wenn schon verglichen werde, sollte die Bevölkerungsgröße berücksichtigt werden, hatten Regierungsvertreter unlängst vorgeschlagen. Aber auch diese Berechnung lässt das Land nicht glänzen. Die meisten Toten je 100.000 Einwohner hat Belgien zu beklagen, vor Spanien und Italien. Das Königreich folgt dicht dahinter, auf Platz vier.

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Jochen Buchsteiner - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Jochen Buchsteiner
Politischer Korrespondent in London.
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