Maduro-Attentat

Oppositionspolitiker in Venezuela festgenommen

08.08.2018
, 14:54
Der Oppositionspolitiker Juan Requesens bei einer Demonstration vor dem UN-Gebäude in Caracas.
Der venezolanische Abgeordnete Juan Requesens wurde vom Geheimdienst festgenommen. Der Vorwurf: Er soll an dem mutmaßlichen Anschlag auf Präsident Maduro beteiligt gewesen sein.
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Die Regierung in Venezuela bezichtigt Politiker der Opposition als Drahtzieher des mutmaßlichen Anschlags auf Präsident Nicolás Maduro. Der frühere Parlamentspräsident Julio Borges und der Abgeordnete Juan Requesens seien in die Vorfälle verwickelt, erklärte Maduro am Dienstag (Ortszeit).

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Requesens wurde noch am Abend von Mitarbeitern des Geheimdienstes festgenommen, wie die Zeitung „El Nacional“ in ihrer Onlineausgabe unter Berufung auf Familienangehörige berichtete. Bei einer öffentlichen Ansprache während einer Militärzeremonie war Maduro am Samstag nach offiziellen Angaben Ziel eines versuchten Bombenanschlags, bei dem Drohnen zum Einsatz kamen.

Maduro selbst beschuldigte den im Exil lebenden früheren Parlamentspräsidenten Julio Borges in einer Rundfunkansprache, seine Ermordung geplant zu haben. Borges nannte den Anschlag bei Twitter eine inszenierte „Farce“.

Die Namen der beschuldigten Politiker seien von den Tätern, die unmittelbar nach dem Anschlag verhaftet wurden, genannt worden, erklärte Maduro in einer Fernsehansprache. Diese hätten zudem ausgesagt, sie seien in Kolumbien auf die Tat vorbereitet worden. Maduros Vorwurf, Kolumbien sei in das Geschehen verstrickt, wies die Regierung in Bogotá vehement zurück.

Opposition zweifelt offizielle Version über Attentat an

Borges ist einer der bekanntesten Köpfe der venezolanischen Opposition und ein Mitglied der Partei Primero Justicia (PJ) des ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Henrique Capriles. Die PJ, der auch Requesens angehört, verurteilte die Festnahme als politische Verfolgung und forderte die sofortige Freilassung des Politikers. Teile der bürgerlichen Opposition zweifeln die offizielle Version über das Attentat an und befürchten, dass der Vorfall als Vorwand für ein hartes Vorgehen gegen Regimekritiker dienen wird. Das von der Opposition gehaltene, de facto entmachtete Parlament sprach sich am Dienstag für eine unabhängige Untersuchung der Drohnenexplosionen vom Samstag aus.

Maduro war Mitte Mai in einer umstrittenen Wahl für weitere sechs Jahre im höchsten Staatsamt bestätigt worden. Das südamerikanische Land steht kurz vor einem Bankrott. Angesichts galoppierender Inflation und Devisenmangels sind Teile der Wirtschaft zusammengebrochen. Die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln ist nicht mehr gesichert, Zehntausende Menschen haben das Land verlassen.

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Ein jahrelanger Machtkampf zwischen Regierung und Opposition hat Venezuela in die tiefe politische und wirtschaftliche Krise gestürzt. Die Opposition wirft Maduro vor, Kritiker zu kriminalisieren und Venezuela in eine Diktatur zu führen. Maduro hingegen hält einigen rechten Oppositionsführern vor, Chaos im Land zu stiften und mit Hilfe ausländischer Kräfte einen Umsturz vorzubereiten.

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Quelle: EPD-BAS
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