FAZ plus ArtikelProteste in Indien

Bauern auf den Barrikaden

Von Till Fähnders, Singapur
14.12.2020
, 21:50
Indiens Landwirte wollen die Regierung unter Ministerpräsident Narendra Modi zur Rücknahme ihrer Agrarreformen zwingen. Sie blockieren den Verkehr, treten in den Hungerstreik – und stellen sich auf einen langen Kampf ein.

Die Autobahn nach Chandigarh, der Regionalhauptstadt der nordindischen Bundesstaaten Punjab und Haryana, gehört zu den Verkehrsadern, über die Delhi mit den Dingen versorgt wird, die es zum Überleben braucht. Wie für einen menschlichen Organismus wird es auch für die indische Hauptstadt zu einem Problem, wenn eine dieser Adern auf Dauer verstopft bleibt. Diese einfache Rechnung haben auch die Bauern aufgemacht, die seit fast 20 Tagen die Schnellstraße blockieren. Über Kilometer erstreckt sich die Sperre aus Traktoren und Anhängern. Auf der anderen Seite hat die Polizei Betonbarrieren und Stacheldraht aufgebaut, um die Bauern davon abzuhalten, in die Stadt zu ziehen. Der Grenzübergang von Haryana nach Delhi wird außerdem von Polizisten und Paramilitärs mit halbautomatischen Waffen bewacht. Zu Beginn der Blockade kam es hier zu schweren Zusammenstößen. Demonstranten warfen Steine, Sicherheitskräfte schossen mit Wasserwerfern und Tränengas.

Doch unter den Bauern herrscht an diesem Tag eine geschäftige, aber friedliche Atmosphäre. Zwischen den Fahrzeugen haben die Landwirte Zelte aufgeschlagen, manche schlafen in ihren Anhängern. Am Montag haben ein paar von ihnen einen symbolischen, eintägigen Hungerstreik begonnen. Sie verzichten damit auf Tee, Kekse und andere Köstlichkeiten, die einige Bauern für ihre Mitstreiter zubereitet und auf langen Tischen ausgebreitet haben – und auf die Currygerichte, die in großen Töpfen vor sich hin köcheln. Das Essen wird kostenlos an die Bauern ausgegeben. Sie haben sich auf einen langen Kampf eingestellt. „Selbst wenn wir hier für sechs Monate ausharren müssen, werden wir nicht nachgeben. Seht ihr, dass wir alles haben, was wir brauchen?“, sagt Talwinder Singh aus Karnal im Bundesstaat Haryana.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Fähnders, Till (fäh.) (Bild)
Till Fähnders
Politischer Korrespondent für Südostasien.
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