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Proteste in Amerika

Tanklaster fährt in Menschenmenge – Fahrer verprügelt

Aktualisiert am 01.06.2020
 - 11:38
Diesen Lkw hat der Fahrer in die Menschenmenge gesteuert.
Der Tod George Floyds durch Polizeigewalt entfesselt eine Wut auf das System. In Washington muss Präsident Trump für eine Stunde in den Bunker. In Minneapolis schlagen Demonstranten einen Lkw-Fahrer, der hupend in die Menge fuhr.

Nach dem Tod des Schwarzen George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis kommen die Vereinigten Staaten nicht zur Ruhe. In mehreren Metropolen kam es in der sechsten Nacht in Folge zu Protesten, die teils in Gewalt ausarteten. In New York gingen Tausende Menschen auf die Straße. Auf Fernsehbildern waren brennende Fahrzeuge in Boston und Plünderungen in Philadelphia zu sehen. Auch aus Los Angeles wurden Plünderungen berichtet.

In der Hauptstadt Washington zogen Demonstranten am Sonntagabend (Ortszeit) wieder vor das Weiße Haus, den Regierungssitz von Präsident Donald Trump. Es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei. Demonstranten skandierten „Kein Frieden ohne Gerechtigkeit“. CNN meldete, bereits am Freitag sei Trump wegen der Proteste vor dem Weißen Haus für knapp eine Stunde in einen Bunker gebracht worden.

„Eine sehr beunruhigende Aktion“

Mindestens 40 Städte verhängten mittlerweile nächtliche Ausgangssperren, unter ihnen auch die Hauptstadt Washington. Von den Maßnahmen waren demnach insgesamt zehn Millionen Menschen betroffen. Der Gouverneur des Bundesstaats Arizona, Doug Ducey, erließ sogar für die gesamte Woche bis zum 8. Juni eine nächtliche Ausgangssperre.

Mindestens 15 der 50 Bundesstaaten und der Hauptstadtbezirk Washington mobilisierten die Nationalgarde, wie der Sender CNN berichtete. Die Nationalgarde gehört zur Reserve der amerikanischen Streitkräfte und kann in Bundesstaaten in Ausnahmesituationen zu Hilfe gerufen werden.

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Trotz Ausgangssperren
Unruhen in Amerika nehmen kein Ende

In Minneapolis, wo die inzwischen landesweiten Proteste begonnen hatten, fuhr ein Tanklaster auf einer gesperrten Fernstraße hupend in eine dort protestierende Menschenmenge. Bei dem Vorfall wurde jedoch kein Demonstrant verletzt. Nachdem das Fahrzeug zum Stehen gekommen war, wurde der Fahrer von aufgebrachten Menschen aus dem Fahrzeug gezerrt und verprügelt, bevor die Polizei ihn in Gewahrsam nahm. Entgegen ersten Meldungen soll dabei nicht lebensbedrohlich verletzt worden sein. „Der Vorfall unterstreicht, wie labil die Situation hier ist“, sagte Tim Walz, der Gouverneur des Bundesstaates Minnesota, dessen größte Stadt Minneapolis ist. Über die Motive des Fahrers sei ihm nichts bekannt. Die Abteilung für Öffentliche Sicherheit in Minneapolis twitterte: „Das ist eine sehr beunruhigende Aktion eines LKW-Fahrers auf der Interstate-35W, die die friedlichen Demonstranten anstachelte.“

Unterdessen gibt es Hinweise darauf, dass die Website der Polizei von Minneapolis Ziel eines Hackerangriffs wurde. Besucher der Seite werden aufgefordert, in einem Test nachzuweisen, dass es sich nicht um einen automatisierten Seitenaufruf handelt. Solche Tests werden in der Regel verwendet, um massenhafte Aufrufe – sogenannte Denial-of-Service-Angriffe – zu unterbinden. Vor wenigen Tagen hatte die Hackergruppe Anonymous verkündet, den Tod George Floyds rächen zu wollen. Die Polizei von Minneapolis nahm zu dem Vorfall gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg, die darüber berichtete, zunächst nicht Stellung.

Trump machte am Sonntag wieder linksradikale Gruppen und die Antifa für die Ausschreitungen verantwortlich. Er kündigte an, die Antifa solle als Terrororganisation eingestuft werden. Details ließ er offen. Die Antifa hat keine zentrale Führungs- oder Organisationsstruktur. Zum Antifaschismus bekennen sich zahlreiche unterschiedliche linke oder auch linksradikale Gruppen. Das Weiße Haus kündigte an, Trump werde am Montag im Lagezentrum der Regierungszentrale eine Videokonferenz mit Gouverneuren und Vertretern von Sicherheitsbehörden abhalten.

Der unbewaffnete Floyd war am Montagabend nach einem Polizeieinsatz in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota gestorben. Einer von vier beteiligten Beamten drückte dem 46-Jährigen minutenlang sein Knie in den Nacken. Bitten des Afroamerikaners, ihn atmen zu lassen, ignorierte er. Bei den Protesten in Washington und anderen Städten trugen Demonstranten Schilder mit „Ich kann nicht atmen“.

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Trump zu gewaltsamen Protesten
„Wir werden die Mob-Gewalt stoppen“

Bereits in den vergangenen Nächten war es bei Protesten in zahlreichen Städten zur Gewalt gekommen - von New York an der Ostküste bis Los Angeles an der Westküste. Nach Angaben örtlicher Behörden wurden Hunderte Menschen festgenommen. Alleine in Los Angeles meldeten die Sicherheitskräfte am Sonntag rund 400 Festnahmen, in Chicago mehr als 200.

Nach den Ausschreitungen rief Trump demokratische Bürgermeister und Gouverneure zum Durchgreifen auf. „Legen Sie eine härtere Gangart ein“, schrieb Trump am Sonntag auf Twitter. „Diese Menschen sind Anarchisten. Rufen Sie jetzt unsere Nationalgarde. Die Welt schaut zu und lacht Sie und den Schläfrigen Joe aus.“ Der Republikaner Trump verunglimpft seinen voraussichtlichen Herausforderer bei der Präsidentenwahl im November, den früheren demokratischen Vizepräsidenten Joe Biden, regelmäßig als „Schläfrigen Joe“.

In weiteren Tweets lobte Trump abermals den Einsatz der Nationalgarde im Bundesstaat Minnesota, wo die Proteste ausgebrochen waren, und mahnte, die Kräfte hätten früher angefordert werden sollen. In einem anderen Tweet schrieb der Präsident in Großbuchstaben schlicht: „Recht & Ordnung!“ Trump wirft den Demokraten immer wieder vor, nicht hart genug gegen Kriminalität vorzugehen.

Der Polizeichef von Minneapolis, Medaria Arradondo, bat die Angehörigen Floyds am Sonntagabend um Entschuldigung. „Wenn ich irgendetwas tun könnte, um Herrn Floyd zurückzubringen, würde ich Himmel und Erde bewegen, um es zu tun“, sagte Arradondo bei einem Auftritt an dem Ort, an dem Floyd getötet worden war. Arradondo, selbst ein Schwarzer, hatte die vier beteiligten Polizisten entlassen. Derjenige von ihnen, der über Minuten hinweg sein Knie auf Floyds Nacken gedrückt hatte, wird wegen Mordes angeklagt. Der Bruder des Toten, Philonise Floyd, sagte CNN am Sonntagabend, er fordere, dass auch die anderen drei entlassenen Polizisten festgenommen würden. „Ich will Gerechtigkeit – jetzt.“

Ein Sohn des getöteten George Floyd rief dazu auf, bei den anhaltenden Protesten Gewalt zu vermeiden. In einem Fernsehinterview mit dem CNN-Tochtersender KBTX appellierte Quincy Mason Floyd an die Demonstranten, friedlich zu bleiben. Zugleich äußerte sich der Mann, der in Bryan (Texas) lebt, bewegt über die große Anteilnahme am Tod seines Vaters. „Jeder kommt und zeigt ihm Liebe. Mein Herz ist sehr berührt von all dem.“

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Unterdessen setzen sich auch immer mehr amerikanische Musiker, Sportler und Hollywoodstars gegen Rassismus und Polizeigewalt ein. „Das muss aufhören“, schrieb die Sängerin Madonna auf Instagram. Der weiße Polizist habe Floyd mit „Arroganz und Stolz“ ermordet. Die Musikerin Beyoncé wandte sich in einer Videobotschaft an ihre Fans auf Instagram und forderte „Gerechtigkeit für George Floyd“. Lady Gaga schrieb in einem langen Post auf Twitter, sie sei von Floyds Tod „schockiert“. Präsident Trump warf sie darin vor, Rassismus zu fördern.

Nur ein Bild und eine Frage postete der Basketballstar LeBron James. Das Foto zeigt, wie der Football-Spieler Colin Kaepernick im Jahr 2016 während der Nationalhymne auf die Knie ging. Damit hatte der Quarterback eine Protestwelle gegen die Diskriminierung von Schwarzen in den Vereinigten Staaten ausgelöst. LeBron James schrieb dazu: „Versteht ihr jetzt?“

Quelle: dpa/Reuters/nto.
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