Katalanischer Separatist

Puigdemont lässt sich auf Sardinien nach Freilassung feiern

25.09.2021
, 15:40
Carles Puigdemont am 25. September auf dem Weg zu einem Treffen mit dem Bürgermeister von Alghero auf Sardinien.
Nach seiner Entlassung aus der kurzzeitigen Haft nimmt der frühere katalanische Regionalpräsident Carles Puigdemont an einem Kulturfestival auf Sardinien teil – und kündigt an, er werde weiter gegen die „Verfolgung“ durch Spanien kämpfen.

Der ehemalige katalanische Regierungschef Carles Puigdemont hat sich nach seiner Freilassung auf Sardinien am Samstag in der Stadt Alghero von Anhängern feiern lassen. Puigdemont zeigte sich bei einem Treffen in der katalanisch geprägten Stadt im Westen der Insel zufrieden darüber, dort wie geplant an einem Kulturfestival teilnehmen zu können. „Ich bin daran gewöhnt, von Spanien verfolgt zu werden“, sagte der 58-Jährige. „Aber es geht immer gleich aus: Ich bin frei – und ich werde weiter kämpfen.“

Puigdemont war nach seiner Ankunft auf der italienischen Mittelmeerinsel am Donnerstag auf Grundlage eines europäischen Haftbefehls zunächst festgenommen worden, konnte das Gefängnis aber am Freitagabend wieder verlassen. Entgegen ersten Meldungen wurde er ohne Auflagen freigelassen. Das Berufungsgericht in der Stadt Sassari verpflichtete den Politiker nicht, bis zur Klärung des weiteren Vorgehens auf der Insel oder in Italien zu bleiben. Puigdemont darf also das Land auch verlassen.

Die Richterin erklärte Puigdemonts Verhaftung für rechtens

Als nächster Gerichtstermin wurde der 4. Oktober festgelegt. Dann wird verhandelt, wie es mit dem von Spanien ausgestellten europäischen Haftbefehl weitergeht. Richterin Plinia Azzena hatte am Freitag bei einer ersten Anhörung entschieden, dass die Verhaftung Puigdemonts am Donnerstagabend am Flughafen Alghero rechtens war.

Der Politiker war der führende Kopf bei der Ausrufung der Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien 2017. Nach seiner Absetzung durch die Zentralregierung in Madrid ging er im Oktober 2017 nach Belgien ins Exil, um der Strafverfolgung in Spanien zu entgehen.

2018 war er auf Ersuchen Spaniens schon einmal in Deutschland festgenommen worden. Wenige Tage später wurde er jedoch wieder freigelassen, da die deutsche Justiz den von Spanien erhobenen Vorwurf der „Rebellion“ nicht als Auslieferungsgrund anerkannte. 2019 erlang er ein Mandat im EU-Parlament, doch wurde seine Immunität später aufgehoben.

Die spanische Justiz verurteilte die in Katalonien verbliebenen Mitstreiter Puigdemonts 2019 zu mehrjährigen Haftstrafen, doch wurden sie Ende Juni dieses Jahres von der Regierung des Sozialisten Pedro Sánchez begnadigt. Puigdemont fiel nicht darunter. Ihm will die spanische Justiz weiterhin wegen Rebellion und Veruntreuung öffentlicher Gelder den Prozess machen.

Quelle: AFP/dpa
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