FAZ plus ArtikelZwangsarbeit in Russland

Von der Haftanstalt auf die Baustelle

Von Friedrich Schmidt, Moskau
14.06.2021
, 07:03
Arbeiter auf einer Baustelle in Moskau am 12. März (Symbolbild)
Weil viele Arbeitsmigranten während der Pandemie aus Russland in ihre Heimat zurückgekehrt sind, sollen nun Sträflinge die Arbeit übernehmen. Der Vorstoß, der an frühere Zeiten erinnert, trifft offenbar den Kreml-Zeitgeist.

Russland lässt eine alte Praxis wieder aufleben: Häftlinge sollen nicht nur in ihren Strafkolonien arbeiten, sondern auch außerhalb, etwa auf Baustellen, für die in der Corona-Pandemie nicht genug Arbeitskräfte zu finden sind. In Moskau und im Gebiet um die Hauptstadt läuft laut dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Marat Chusnullin dazu schon ein entsprechendes „Experiment“, und zwar „sehr erfolgreich“: 1500 Häftlinge glichen dort den „Mangel an Ressourcen“ aus.

Der wirtschaftliche Hintergrund des Vorstoßes besteht darin, dass wegen der Pandemie mit ihren Grenzschließungen viele Arbeitsmigranten aus den Ländern des Südkaukasus und Zentralasiens, die traditionell in Russland Geld verdienen, in ihre Heimat zurückgekehrt sind und vorerst nicht zurückkommen. Die sogenannten Gastarbeiter (im Russischen wird das deutsche Lehnwort verwendet) stellen laut der Eurasischen Entwicklungsbank zu normalen Zeiten rund sieben Prozent der Arbeitskräfte in Russland und tragen rund sechs Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt/ Schmidt, Friedrich
Friedrich Schmidt
Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.
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