FAZ plus ArtikelRussische Propaganda

Wie Amnestys Umgang mit Nawalnyj den Kreml stärkt

Von Friedrich Schmidt, Moskau
19.03.2021
, 14:54
Russlands Machthaber nutzen westliche Empfindlichkeiten für ihre Zwecke. Dass Amnesty International Alexej Nawalnyj nicht länger als „gewaltlosen politischen Gefangenen“ bezeichnet, ist für den Kreml ein Triumph.

Margarita Simonjan triumphierte. Gerade war bekanntgeworden, dass die weltweit bekannteste Menschenrechtsorganisation, Amnesty International, den inhaftierten russischen Oppositionsführer Alexej Nawalnyj nicht länger als „gewaltlosen politischen Gefangenen“ bezeichnet. Nun twitterte die Chefredakteurin des Staatssenders RT, deren dubiose Geschäfte Nawalnyj mit seiner Stiftung zum Kampf gegen Korruption enthüllt hat, Amnesty habe so entschieden, „nachdem unsere Kolumnistin sie mit konkreten Beispielen daran erinnert hat, dass er ein Nazi ist“. Die Kolumnistin, eine in New York lebende Russin, hatte Nawalnyj in englischen Tweets als „bekennenden Nationalisten und Rassisten“ bezeichnet.

Für den Kreml ist Amnestys Umgang mit Nawalnyj ein Erfolg. Seit Monaten führen russische Staatsmedien eine Kampagne, um Putins wichtigsten Gegner kleinzureden und anzuschwärzen. Nawalnyj ist nach der knapp überlebten Vergiftung, der Behandlung in Deutschland und der Enthüllung des Killerkommandos vom Geheimdienst FSB zum Problem von internationalem Ausmaß geworden.

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt/ Schmidt, Friedrich
Friedrich Schmidt
Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.
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