Umstrittene Lieferung

Russische Raketenabwehr in Türkei angekommen

Aktualisiert am 12.07.2019
 - 12:25
In Ankara ist der erste Teil des Raketenabwehrsystems angekommen, das in der Türkei positioniert werden soll. Die Vereinigten Staaten drohen mit Sanktionen und die Nato ist „besorgt“.

Die erste Lieferung des umstrittenen russischen Raketenabwehrsystems S-400 ist in der Türkei angekommen. In einer Stellungnahme der Abteilung für Verteidigungsindustrie im Präsidialpalast hieß es am Freitagvormittag, dass das erste Flugzeug in der Hauptstadt Ankara gelandet sei. In den kommenden Tagen werde es weitere Lieferungen geben.

Zuvor hatte das Verteidigungsministerium mitgeteilt, dass die ersten Lieferungen aus Moskau unterwegs seien zur Luftwaffenbasis Mürted Hava Üssü. Der Sender NTV berichtete, es könne bis zum Herbst dauern, bis das System voll einsatzbereit sei.

Mit der Entgegennahme des Systems steuert der Konflikt mit den Vereinigten Staaten auf seinen Höhepunkt zu. Die amerikanische Regierung ist strikt gegen den Kauf und den Einsatz des russischen Systems im Nato-Luftraum und droht mit Sanktionen.

Die Regierung in Washington befürchtet unter anderem, dass Russland über die empfindlichen Radare der S-400 an Daten über die Fähigkeiten der neuen amerikanischen Tarnkappenflugzeuge F-35 gelangt. Die Türkei ist Partner beim Bau der F-35 und soll etwa 100 Flugzeuge bekommen.

Auch die Nato hat sich am Freitag „besorgt“ über die Lieferung geäußert. „Wir sind besorgt über die möglichen Konsequenzen der Entscheidung der Türkei zum Kauf des S-400-Systems“, sagte ein Nato-Vertreter der Nachrichtenagentur AFP. Die Nato hatte wiederholt gewarnt, das russische System sei nicht kompatibel mit dem Luftverteidigungssystem des westlichen Bündnisses.

Auch Deutschland hatte in der Vergangenheit die Türkei vor dem Kauf der S-400 gewarnt, doch hielt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan trotz aller Bedenken seiner Partner an dem Geschäft fest. „Die Kompatibilität unserer Streitkräfte ist grundlegend für die Ausführung unserer Operationen und Einsätze“, sagte der Nato-Vertreter nun. Er rief die Türkei auf, mit ihren Nato-Partnern bei dem Aufbau eines Luftverteidigungssystems zusammenzuarbeiten.

Quelle: dpa/AFP
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