<iframe src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Russland-Affäre

Muellers Mosaiksteinchen

Von Frauke Steffens, New York
 - 22:22

Zu guter Letzt gab Sam Nunberg klein bei: Am Freitag stand der ehemalige Berater von Donald Trump der Geschworenenjury Rede und Antwort, vor die ihn Sonderermittler Robert Mueller geladen hatte. Sechs Stunden wurden es am Ende – Nunberg, der zuvor großspurig angekündigt hatte, dass er nicht aussagen werde und man ihn stattdessen verhaften könne, wollte wohl doch nicht ins Gefängnis. „Fox News“ will erfahren haben, dass der Zeuge, der 2015 wegen rassistischer Kommentare aus Trumps Team flog, nun in den Alkoholentzug gehen will. Nunberg verursachte mit seinen Auftritten in der vergangenen Woche einiges an Medienrummel – unter anderem bezeichnete er Trump-Sprecherin Sarah Huckabee Sanders als „fette Schlampe“, wofür er sich später entschuldigte. Was allerdings bei seiner Aussage herauskam, wurde nicht bekannt. Immerhin kündigte Nunberg, der nach seinem Rauswurf immer noch Kontakte zu Trumps ehemaligem Chefstrategen Steve Bannon und anderen hatte, an, seine E-Mails an die Ermittler zu übergeben.

Sam Nunberg hatte seine Vorladung selbst an die Medien geschickt. Sonderermittler Robert Mueller spricht nicht mit der Presse, seine Leute tun es offiziell ebenfalls nicht. Was öffentlich wird, kommt von Anwälten, Zeugen – vielleicht, so spekuliert manch einer, auch von Muellers Mitarbeitern. Das Drama, das Nunberg selbst anzettelte, lenkte unterdessen beinahe davon ab, dass Mueller wohl einen weiteren Mosaikstein in sein Ermittlungspuzzle einfügen konnte. Er untersucht, ob das Wahlkampf-Team von Donald Trump mit Russen kooperierte, ob es eine Verbindung zu russischen Manipulationsversuchen der Wahl 2016 gab – und ob Trump entsprechende Ermittlungen behinderte.

Geheimtreffen auf den Seychellen?

Mueller soll nun weitere Indizien dafür gesammelt haben, dass Trumps Team mit Russen zusammenarbeitete oder dies versuchte. Kurz bevor Trump Präsident wurde, sollen seine Leute versucht haben, einen Kommunikationskanal nach Moskau aufzubauen. George Nader, ein libanesischer Geschäftsmann, will dazu ein Treffen eines Trump-Vertrauten mit dem Russen Kirill Dmitriev arrangiert haben, der enge Verbindungen zum Kreml habe. Der Vertraute Trumps soll Eric Prince gewesen sein, Chef der Söldner-Firma Blackwater und Bruder von Bildungsministerin Betsy DeVos. Dmitriev und Prince hätten sich im Januar 2017 auf den Seychellen getroffen, berichten amerikanische Medien – und Prince, der zwar keine offizielle Position im Wahlkampf- oder Übergangsteam von Trump hatte, soll dabei in dessen Auftrag gehandelt haben. Der Blackwater-Boss behauptete im vergangenen November bei seiner Ausschuss-Befragung im Kongress, das Treffen sei Zufall gewesen. Doch George Nader, der die Fäden im Hintergrund gezogen haben soll, kooperiert laut der „Washington Post“ nun mit Robert Mueller, seit ihn das FBI am Flughafen in Washington festgesetzt und mehrfach befragt habe. Nader soll nicht nur ausgesagt haben, dass das Treffen von Prince und Dmitriev geplant war. Er selbst soll anschließend auch mehrere Male im Weißen Haus gewesen sein. Dort soll er mit Jared Kushner und Trumps damaligem Chefstrategen Steve Bannon gesprochen haben.

Bekannt war bislang, dass mehrere Mitglieder von Trumps Team zu unterschiedlichen Zeiten Kontakt mit Russen hatten – zum Beispiel, als Jared Kushner, Donald Trump Jr. und Paul Manafort sich während des Wahlkampfes mit der russischen Anwältin Natalia Wesselnitzkaja trafen, nachdem Trumps Sohn zuvor belastendes Material über Hillary Clinton in Aussicht gestellt worden war. Nun hat Robert Mueller also in George Nader einen weiteren kooperativen Zeugen, der behauptet, dass er in Trumps Auftrag oder mit Zustimmung von dessen Team einen Kommunikationskanal zum Kreml aufbauen sollte. Allerdings: wenn das Treffen von Prince und Dmitriev im Januar 2017 stattfand, dann war es für die Wahl 2016 nicht mehr unmittelbar relevant.

Mueller könnte damit allein also noch immer nicht belegen, dass es Verbindungen des Trump-Teams zu denjenigen Russen gab, die die öffentliche Meinung im Wahlkampf manipulieren oder sogar Wahlsysteme hacken wollten. Dass es diese Versuche gab, sehen nicht nur die Geheimdienste inzwischen als erwiesen an – Robert Mueller hatte zuletzt 13 Russen deswegen in Abwesenheit angeklagt. Russlands Präsident Wladimir Putin leugnete in einem NBC-Interview jegliche Verbindung dieser Personen und der „Troll-Fabriken“ zu seiner Regierung.

Kushner unter Druck

Robert Mueller ist unterdessen auch dabei, die geschäftlichen Kontakte des Trump-Teams genauer zu untersuchen. Er kann dabei alles einbeziehen, was sich im Laufe seiner Recherchen herausstellt – auch, wenn es mit den Ursprungsfragen zunächst nichts zu tun hat. Während der Sonderermittler selbst zu seinen Fortschritten schweigt, gerät besonders Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn und Berater, immer stärker unter Druck. Dabei geht es nicht nur um Kontakte zu anderen Ländern, sondern auch um mögliche Versuche, Vorteile aus seiner Position in Washington zu ziehen.

So baut das Familienunternehmen der Kushners laut Recherchen der „New York Times“ gerade einen Immobilienkomplex in Long Branch in New Jersey. Nun stellte sich heraus, dass die Kushners mit der „Trump Organization“ verhandeln: es geht um das Management mindestens eines Hotels in dem „Pier Village“ genannten Komplex. Der Deal ist noch nicht besiegelt, beide Unternehmen haben laut der Zeitung aber entsprechende Absichtserklärungen unterzeichnet. „Die seit langem laufenden Verhandlungen verwischen die Grenze zwischen Familie, Geschäft und Politik in einer nie zuvor da gewesenen Weise“, schrieb die „New York Times“. Die Gespräche sollen vor Trumps Präsidentschaft begonnen haben und seit zwei Jahren laufen. Sie sollen wegen ethischer Bedenken eines Beraters des Trump-Unternehmens ins Stocken geraten sein. Der Plan beider Unternehmen, zusammen zu arbeiten, sei damit aber nicht vom Tisch. Kushner verkaufte seine Beteiligungen an der Kushner Gruppe nur zum Teil. Die Mehrheit seiner Anteile soll er behalten haben. Dazu gehört auch eine Beteiligung an der Erweiterung des „Pier Village“ in Long Branch. Präsident Trump übertrug seinen zwei ältesten Söhnen Eric und Donald Jr. die Leitung seines Unternehmens – er ist aber nach wie vor dessen Eigentümer.

Anwälte verhandeln

Jared Kushner hatte im Februar seine Sicherheitsfreigabe fürs Weiße Haus verloren. Er ist nach wie vor Berater von Donald Trump, kann jedoch geheime Unterlagen nicht mehr einsehen und an manchen Treffen nicht mehr teilnehmen. Das FBI hatte ihm nur eine vorläufige Freigabe erteilt. Zwischenzeitlich wurde bekannt, dass mehrere ausländische Regierungen diskutiert hatten, ob man den Trump-Schwiegersohn wegen seiner Geschäftskontakte leichter beeinflussen könne. Kushner scheint vielen Beobachtern zur Zeit das schwächste Glied im Team Trump zu sein – Geschichten wie die um den Immobilienkomplex in New Jersey belasten seine Integrität. Wenn Robert Mueller Kushner tatsächlich unlautere Geschäftspraktiken nachweisen könnte, könnte er auch ihn theoretisch dazu bringen, mit ihm zusammenzuarbeiten. Dazu müsste Kushner allerdings seinen Schwiegervater verraten.

Der gibt sich unverändert zuversichtlich, auch, wenn er die Russland-Ermittlungen schon länger nicht mehr als gegenstandslose „Hexenjagd“ beschimpft hat. Seine Ankündigung, er freue sich auf eine persönliche Befragung durch Robert Mueller, nahm der Präsident bislang nicht zurück. Trumps Anwälte sind von der Idee nicht begeistert. In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass sie versuchen, Mueller Bedingungen für eine Befragung zu stellen. Man wolle nur bestimmte Fragen zulassen – und die Zusammenkunft soll überhaupt nur dann zustande kommen, wenn die Ermittlungen spätestens 60 Tage danach enden. Auf einen solchen Handel wird sich Mueller wohl nicht einlassen – und genau das bezwecken die Anwälte vielleicht. Dann käme der Präsident um eine Befragung herum, ohne sie selbst direkt zu verweigern. Schließlich ist Trump nicht für seine Besonnenheit bekannt und könnte sich durch spontane Äußerungen in Schwierigkeiten bringen – vor allem, weil er nicht wissen kann, was Mueller bereits an Informationen zusammengetragen hat. Genug Grund für seine Juristen, das Ganze einzuhegen – oder eben durch unerfüllbare Bedingungen zum Scheitern zu bringen.

Quelle: FAZ.NET
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenDonald TrumpRobert MuellerPrinceJared KushnerSteve BannonFBIWahlkampfFox News