MH17-Abschuss

Russland soll Satellitenfotos gefälscht haben

Von Oliver Kühn
01.06.2015
, 13:20
Laut Analyse dieses Satellitenbildes, das das russische Verteidigungsministerium veröffentlicht hat, wurde es rund um die Fahrzeuge manipuliert.
Russland wollte kurz nach dem Abschuss des Flugzeugs MH17 mit Satellitenbildern beweisen, dass die Ukraine dafür verantwortlich ist. Die Aufnahmen seien jedoch mit Photoshop manipuliert worden, heißt es in einem Bericht.
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Am 21. Juli 2014 präsentierte das russische Verteidigungsministerium auf einer Pressekonferenz zwei Satellitenbilder, die beweisen sollten, dass nicht prorussische Separatisten, sondern ukrainische Einheiten das malaysische Passagierflugzeug MH17 abgeschossen hatten. Dieselben Bilder veröffentlichte Anfang Mai 2015 auch die renommierte russische Zeitung „Nowaja Gaseta“, die einen Bericht zitierte, der ebenfalls zu dem Ergebnis kam, dass die ukrainische Armee für den Tod der 298 Insassen an Bord von MH17 verantwortlich ist.

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Nach der Pressekonferenz wurden die Bilder im Internet veröffentlicht. Von dort haben sie die Betreiber der unabhängigen Internet-Plattform „Bellingcat“ nun heruntergeladen und analysiert. Ihr Ergebnis: Die Aufnahmen sind gefälscht.

Auf dem ersten Bild, das auf den 17. Juli, also auf den Tag des Abschusses von MH17, datiert ist, soll dem russischen Verteidigungsministerium zufolge eine ukrainische Luftverteidigungs-Einheit zu sehen sein. Im Gegensatz zu einer Aufnahme, die drei Tage zuvor entstanden sein soll, ist mindestens eines dieser „Buk“-Luftabwehrsysteme nicht mehr auf dem Bild, links und rechts verdecken jedoch Wolken große Bildbereiche. Laut „Bellingcat“ hat die forensische Analyse des Bildes ergeben, dass es mit dem Bildbearbeitungsprogramm „Photoshop“ manipuliert worden ist. „Mit hoher Wahrscheinlichkeit wurden Wolken im linken und rechten Bildbereich digital hinzugefügt.“

Außerdem wurde das Satellitenbild mit anderen Aufnahmen von verschiedenen Zeitpunkten verglichen. Anhand einer größer werdenden Pfütze und Vegetations-Veränderungen kommen die Analysten zu der Schlussfolgerung, das Bild sei „unzweifelhaft zwischen dem 1. Juni 2014 und dem 18. Juni 2014 entstanden“, also einen Monat vor dem Abschuss.

Das zweite Bild zeigt den Ausschnitt einen Feldes in der Nähe der ostukrainischen Ortschaft Saroschinskoje. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sind dort zwei „Buk“-Systeme und ein Unterstützungs-Fahrzeug zu sehen. Die „Bellingcat“-Analyse kommt auch hier zu dem Schluss, dass Manipulationen mit „Photoshop“ vorgenommen worden sind. „Mit hoher Wahrscheinlichkeit“ seien die Bereiche um die Fahrzeuge „digital modifiziert“ worden, heißt es. Außerdem wurde auch dieses Bild einer Datierungs-Analyse unterzogen. Mit denselben Methoden wie beim ersten Bild kommen die Experten zu dem Schluss, „dass das Satellitenfoto ohne jeden Zweifel vor dem 15. Juli 2014 entstanden ist“.

Als Fazit heißt es in der „Bellingcat“-Analyse, dass „mit hoher Wahrscheinlichkeit signifikante Bildinhalte digital verändert“ worden seien. Damit werden abermals russische Indizien in Frage gestellt, die den Ukrainern die Schuld am Abschuss von MH17 zuweisen sollen. Die Behauptung, ein ukrainisches Kampfflugzeug habe die Boeing 777 abgeschossen, war schon kurz nach ihrer Veröffentlichung widerlegt worden.

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„Bellingcat“ wird vor allem von dem englischen Militärblogger Eliot Higgins betrieben, der die Plattform im Juli 2014 gegründet hat. Die Mittel dafür kamen aus einer Crowdfunding-Kampagne. Mit seinen Aktivitäten hat sich Higgins, der auch unter dem Pseudonym Brown Moses bekannt ist, einiges Renommee erarbeitet.

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Die Beschäftigung mit dem Abschuss von MH17 ist einer der Schwerpunkte der Arbeit von „Bellingcat“. So hat das Portal auch schon Bilder und Videos zusammengetragen, die das „Buk“-System zeigen sollen, das für den Abschuss verantwortlich sein könnte. Für ein weiteres Projekt wurden Nutzer aufgerufen, Bilder und Videos von Waffensystemen in der Ostukraine zur Verfügung zu stellen, um deren Bewegungen nachvollziehen zu können.

Transport durch Deutschland
MH17-Wrackteile auf dem Weg in die Niederlande
© reuters, Reuters
Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Kühn, Oliver
Oliver Kühn
Redakteur in der Politik.
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