Griechische Insel Samos

Festnahmen nach Feuer bei Flüchtlingslager

Aktualisiert am 16.09.2020
 - 02:24
Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Samos: Die Geflüchteten müssen hier selbst für ihre Unterkunft sorgen.
Schon wieder brennt es auf einer griechischen Insel. In der Nähe der Flüchtlingsunterkunft Vathy auf Samos ist ein Feuer ausgebrochen – mittlerweile soll es wieder unter Kontrolle sein. Die Situation dort galt schon davor als dramatisch, schlimmer als in Moria.

Das Feuer unweit des Flüchtlingslager Vathy auf der griechischen Insel Samos ist halbwegs unter Kontrolle. Das berichtete das Insel-Onlineportal „Samos Today“ am Dienstagabend. Das Lager sei nicht in Gefahr, sagte Bürgermeister Giorgos Stantzos dem Radiosender Thema 104.6.

Auch habe es erste Festnahmen gegeben – mehrere Männer seien von der Polizei wegen des Verdachts der Brandstiftung festgesetzt worden. Um wen es sich den bei den Männern handelte und welche Motive sie verfolgten, war zunächst nicht klar.

Das Feuer war am Dienstagabend oberhalb des Flüchtlingslagers ausgebrochen, der Wind trieb es weg vom Lager den Berg hinauf. Glücklicherweise hätten die umliegenden Felder den Flammen nicht viel Nahrung gegeben, hieß es.

4600 in einem Lager für 650

Im Flüchtlingslager Vathy auf Samos leben laut dem griechischen Migrationsministerium rund 4600 Migranten, das Lager hat jedoch nur Platz für rund 650 Menschen.

Erst vor wenigen Tagen war das Flüchtlingslager Moria auf der nahe gelegenen Insel Lesbos bei einem Großbrand fast völlig zerstört worden. Rund 12.000 Migranten wurden obdachlos. Die Feuer waren laut griechischer Regierung von Migranten gelegt worden, um die Abreise aus den Lagern und von der Insel zu forcieren.

Griechische Politiker warnen seither vor der „Moria-Taktik“, wonach Feuer auch in anderen Flüchtlingslagern auf den Inseln Samos, Chios, Leros und Kos gelegt werden könnten – vor allem, wenn die Menschen von Lesbos nun aufs Festland oder nach Mittel- und Nordeuropa gebracht würden. Die Migranten auf Lesbos fordern angesichts des niedergebrannten Lagers, die Insel sofort verlassen zu dürfen. Allerdings steht bei den meisten der Abschluss des Asylantrags noch aus. Die griechische Regierung besteht darauf, dass die Migranten den normalen Asylprozess durchlaufen müssen.

Im Flüchtlingslager Vathy auf Samos gilt die Lage mit der Überbelegung als dramatisch, noch schlimmer als im abgebrannten Moria. Am Dienstag waren im Lager Vathy zwei Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden. Nach ersten Corona-Fällen in Moria war die Situation vergangene Woche auf Lesbos eskaliert.

Lesen Sie hier Näheres über die Zustände in griechischen Flüchtlingslagern.

Quelle: dpa
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